Ein Tänzchen für die grauen Zellen

Tanzen verbessert Ausdauer und Koordination – und zwar nicht nur beim klassischen Paartanz. (Foto: gpointstudio / Fotolia)
Tanzen verbessert Ausdauer und Koordination – und zwar nicht nur beim klassischen Paartanz. (Foto: gpointstudio / Fotolia)

Wer regelmäßig tanzt, bleibt körperlich und auch geistig fit.

(dbp/spo) Tanzen bringt Spaß, Tanzen macht fit und Tanzen trainiert das Gehirn. Dafür muss man weder einen Partner haben, noch besonders beweglich sein. Wie das geht, zeigt zum Beispiel der Bundesverband Seniorentanz in seinen Tanzgruppen.

Klatschen in die Hände, linke Hand aufs rechte Bein. Klatschen in die Hände, rechte Hand aufs linke Bein. Füße stampfen auf der Stelle, ein Schritt vor, ein Schritt zurück.

Der Saal ist voll beim Tanzworkshop des Bundesverbands Seniorentanz. Auf dem 11. Deutschen Seniorentag zeigt Ausbildungsreferentin Susanne Tams Interessierten am eigenen Leib, was Tanzen mit einem macht. Nicht Paartanz wie Rumba, Foxtrott oder Walzer. Nein. „Man kann auch ohne Partner tanzen“, sagt sie. Im Kreis, im Stehen auf der Stelle und sogar im Sitzen.

„Im Sitzen kann man komplexe Dinge tun“, erklärt Susanne Tams weiter und zeigt eine Choreographie aus Arm- und Beinbewegungen. Musik an. Das macht Spaß. Sogar den jungen Teilnehmern. Jetzt vier Schritte vor, vier Schritte zurück. Klatschen, klatschen, stampfen, stehen.

Zum Teil entstehen neue Nervenzellen

„Wenn wir altern, verändert sich unser Gehirn“, sagt Sportpsychologin Professor Dr. Claudia Voelcker-Rehage von der Technischen Universität Chemnitz. Die sogenannte weiße Substanz nimmt ab, jener Bereich, der die „grauen Zellen“ miteinander verknüpft. Gleichzeitig entstehen mehr flüssigkeitsgefüllte Hohlräume. Das heißt: „Es sind mehr Gehirnaktivierungen nötig, um die gleiche Leistung zu erreichen.“

Wer körperlich aktiv ist, könne dem entgegenwirken. Studien hätten gezeigt, dass zum Beispiel durch regelmäßiges Ausdauertraining das Hirnvolumen wieder steigen kann. Die Durchblutung werde angeregt. „Zum Teil entstehen sogar neue Nervenzellen.“ Koordinationstraining wiederum verbessere die Aufmerksamkeit und die Verschaltung zwischen den Nervenzellen.

„Tanzen schult beides: Ausdauer und Koordination“, sagt Professor Voelcker-Rehage weiter. Und es fördert noch mehr: das Gleichgewicht, die räumliche Orientierung, das Gedächtnis, weil man sich Schrittfolgen merken muss, das Reaktionsvermögen auf die Musik und die Bewegungen der anderen.

Tänzer haben mehr Freude am Leben                                                                                       

Die Sportpsychologin hat auch eine Studie mit Seniorentänzerinnen des Bundesverbands Seniorentanz begleitet. Auf den Bildern der Magnetresonanztomografie, die dabei gemacht wurden, zeigte sich, dass die Tänzerinnen ein größeres Hirnvolumen hatten als ähnlich alte Nicht-Tänzer. Sie stürzten auch seltener. Außerdem kam durch einen Fragebogen zum Thema Lebensqualität heraus, dass die Tänzerinnen zufriedener mit ihrem Leben sind.

Eine unglaubliche Freude an dem, was sie tun, strahlen auch die Teilnehmer des Tanz-Workshops aus. Sie sind jetzt aufgestanden, halten sich in Reihen an den Händen. Sirtaki-Musik läuft. Schritt rechts, kreuz, rechts, kreuz, rechts und tipp. Schritt links, kreuz, links, kreuz, links und tipp. Hier und da wird herzlich gelacht, wenn sich Füße verknoten.

Tanzen habe auch viele emotionale Facetten, sagt Trainerin Susanne Tams. „Das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe, die Musik, die mitreißt, die Freude, dass die Choreografie klappt. Es macht einfach Spaß!“