Ein Organspendeausweis hilft immer

Ohne Organspendeausweis müssen die Hinterbliebenen die schwierige Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme treffen. (Foto: WavebreakMediaMicro / Fotolia)
Ohne Organspendeausweis müssen die Hinterbliebenen die schwierige Entscheidung für oder gegen eine Organentnahme treffen. (Foto: WavebreakMediaMicro / Fotolia)

Auch eine Entscheidung gegen die eigene Organspende ist besser als Unklarheit.

(dbp/abz) Jährlich findet am ersten Samstag im Juni der Tag der Organspende statt, schon seit über 30 Jahren. Der Aktionstag soll aufklären und letztendlich auch motivieren, eine bewusste Entscheidung für oder gegen die eigene Organspende zu treffen. Laut Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat jeder dritte Bundesbürger einen solchen Ausweis, der seinen Willen dokumentiert, nach seinem Tod mit der Spende von Organen oder Gewebe anderen Menschen zu helfen – oder eben nicht.  Nach den Skandalen in den letzten Jahren um Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen hat die Organspende heute allerdings noch ein Imageproblem.

Zahl der Organspender stabil auf niedrigerem Niveau

Wurden im Jahr 2010 noch von 1.296 Menschen Organe gespendet, sank diese Zahl zu ihrem vorläufigen Tiefpunkt von nur noch 864 Spendern im Jahr 2014. In 2015 waren es mit 877 tatsächlichen Organspendern wieder etwas mehr. Zumindest hat sich wohl die absolute Zahl der Spender stabilisiert und sinkt nicht weiter ab. Allerdings ist die Zahl der tatsächlich gespendeten Organe weiterhin leicht rückläufig, obwohl es zuletzt wieder mehr Spender gab. Den Grund dafür sieht die „Deutsche Stiftung Organtransplantation“ (DSO) im zunehmenden Durchschnittsalter der Organspender.

Nur, wenn der Hirntod eines Menschen nach den Richtlinien der Bundesärztekammer eindeutig festgestellt wurde, kommt eine Organentnahme infrage. Das trifft laut DSO auf etwa ein Prozent der jährlich rund 400.000 Menschen zu, die in einem Krankenhaus in Deutschland sterben. Rein rechnerisch werden also nur bei jedem fünften Verstorbenen, der medizinisch als Spender infrage kommt, tatsächlich Organe entnommen, um anderen Menschen ein Überleben zu ermöglichen. So stirbt statistisch gesehen alle 8 Stunden ein Mensch in Deutschland, der mit entsprechender Organspende hätte gerettet werden können.

Fragen, die zu Lebzeiten geklärt werden sollten

Ein schwieriges Thema war die Organspende schon immer. So sind viele Angehörige mit der Entscheidung für oder gegen die Entnahme von Organen oder Gewebe bei einem verstorbenen Verwandten schlichtweg überfordert, wenn diese Frage zu Lebzeiten nicht geklärt worden ist. Auch für Ärzte ist es nicht leicht, den verzweifelten Menschen die Hirntoddiagnose ihres geliebten Verwandten zu überbringen und gleichzeitig die Einwilligung zur Organentnahme zu erbitten. Doch ihnen bleibt nichts anderes übrig, wenn es keinen dokumentierten Willen gibt.

Fehlende Auseinandersetzung mit dem Thema

Als Grund für die fehlende Entscheidung pro oder contra Organspende nennen rund ein Drittel der von der BZgA befragten Menschen die fehlende Auseinandersetzung mit dem Thema. Und diese Auseinandersetzung mit einem grundsätzlich schon unbequemen Thema wurde durch die Berichte über manipulierte Wartelisten weiter erschwert. Doch auch die Entscheidung gegen die Entnahme von Organen aus dem eigenen Körper ist besser als keine Entscheidung, denn ist ein klares Veto des Verstorbenen zu Lebzeiten im Organspendeausweis dokumentiert, entlastet das zumindest die Angehörigen davon, diese Entscheidung nachträglich treffen zu müssen.