Ein Krankheitsbild wie ein Chamäleon

Ein Krankheitsbild wie ein Chamäleon

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann vielfältige Beschwerden verursachen

(dbp/nas) CMD lautet die Abkürzung, Craniomandibuläre Dysfunktion der ausgeschriebene Fachbegriff. Dahinter verbirgt sich eine fehlregulierte Muskel- oder Gelenkfunktion im Kiefer. Diese kann zu vielen verschiedenen Beschwerden führen: Zähneknirschen, Kopfschmerzen, Tinnitus oder Rückenprobleme sind nur einige davon.

Der CMD-Dachverband formuliert das Problem anschaulich: CMD sei wie ein Chamäleon, das sich hinter vielfältigen Symptomen von Kopf bis Fuß verstecke. Die Gießener Universitätsprofessorin Dr. Sabine Ruf, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie, erläutert: „CMD ist der Überbegriff für eine ganze Reihe von Erkrankungen, die mit Schmerzen oder mit Geräuschen oder Bewegungseinschränkungen einhergehen können.“

Ganzheitliche Perspektive

Wichtig bei der Diagnose und Behandlung von CMD ist eine ganzheitliche Sicht auf jeden Patienten. Ebenso vielfältig wie die Beschwerden, die bei diesem Krankheitsbild auftreten können, sind auch die potenziellen Ursachen: Zahnfehlstellungen, schadhafter Zahnersatz, eine durch Allergien verursachte Mundatmung ebenso wie Haltungsstörungen oder „schlechte Angewohnheiten“ wie Nägelkauen zum Beispiel.

Bei der Entscheidungsfindung hinsichtlich einer Behandlung sollte die Funktionsdiagnostik zum Prozedere gehören, so Professorin Sabine Ruf. Das bedeutet, man nimmt das Zusammenspiel aller Anteile, die am Kauvorgang beteiligt sind, unter die Lupe. Die Funktionsdiagnostik ist nicht als Standard von der gesetzlichen Krankenversicherung abgedeckt und der Patient muss die Kosten hierfür selbst tragen. Eine Überprüfung, ob das Kauorgan „normal funktionsfähig und belastbar“ ist, sei aber von großer Bedeutung, um möglichen Funktionsstörungen auf die Spur zu kommen, erklärt Ruf.

Individuelle Beurteilung

Am häufigsten tritt eine CMD bei Frauen jüngeren bis mittleren Alters auf. Die wahrnehmbaren Beschwerden liegen nach Auskunft der Kieferorthopädin oft im sogenannten subklinischen Bereich, besonders bei Kindern und Jugendlichen – das bedeutet, sie sind nur unterschwellig vorhanden. „Was wir als Kieferorthopäden machen können, ist, zu versuchen, optimale Bedingungen zu schaffen“, so die Professorin. Fehlstellungen können korrigiert werden. Nicht jede Fehlstellung führt allerdings auch zwangsläufig zu einer Funktionseinschränkung und zu Beschwerden. Welche Probleme vorliegen und wie schwer sie wiegen, muss individuell beurteilt werden.

Stress und Fehlhaltungen

Häufig spielen bei einer CMD aber auch Faktoren wie Stress oder Fehlhaltungen, die man sich angewöhnt hat, eine Rolle. Hier muss jeder Patient dann selbst aktiv werden. Manchmal ist einem Betroffenen bereits mit dem Erlernen von Entspannungstechniken geholfen. Eine Psychotherapie kann das Mittel der Wahl sein, wenn eine CMD zum Beispiel durch seelische Belastungen bedingt ist, eine Physiotherapie ist wiederum vielleicht angezeigt, sollten muskuläre Probleme vorliegen. Mögliche Behandlungsansätze beinhalten – je nach Ursache – kieferorthopädische Maßnahmen oder auch chirurgische Eingriffe, um Fehlbisse oder Fehlstellungen zu korrigieren.