Ein falscher Biss führt oft zu Schmerzen

Fehlstellungen im Kieferbereich können die Ursache für weitreichende Beschwerden sein. (Foto: Initiative proDente e. V.)
Fehlstellungen im Kieferbereich können die Ursache für weitreichende Beschwerden sein. (Foto: Initiative proDente e. V.)

Fehlstellungen des Kiefers können auch die Gesamtgesundheit beeinträchtigen.

(dbp/nas) Wer seine Zähne bis ins hohe Alter behalten möchte, sollte nicht nur auf eine gute Mundhygiene achten, sondern auch darauf, dass der „Biss“ im Kiefer stimmt. Fehlstellungen – Dysgnathien genannt – können langfristig zu Problemen führen: Zähne und Kiefer werden unterschiedlich stark belastet und dadurch läuft man Gefahr, seine Zähne frühzeitig zu verlieren, erklärt Professor Robert Sader, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische Zahnmedizin. Eine Fehlstellung im Kiefer kann sogar den Rücken oder die Verdauung beeinflussen.

 Asymmetrische Belastungen führen zu Problemen

Bei einer ungleichen Belastung können sich im Laufe der Zeit nicht nur die Zähne lockern. Wirken die Kaukräfte asymmetrisch auf die Kiefergelenke, besteht zudem ein höheres Risiko, dass Entzündungen und degenerative Prozesse wie eine Arthrose entstehen. Menschen mit Kieferfehlstellungen haben häufig Schmerzen, weil einzelne Muskeln überbeansprucht oder fehlbelastet werden. Auch wenn es beim Kauen oder Sprechen knackt oder reibt, wenn man nachts mit den Zähnen knirscht, unter Migräne oder Tinnitus (Ohrgeräuschen) leidet: All das wird möglicherweise von einer Dysgnathie verursacht.

Eine Dysgnathie wirkt sich nicht nur auf die direkte „Umgebung“ des Kiefers aus, sondern auf die Statik des gesamten Körpers. Auch der Rücken oder das Becken, der Gang und die Körperhaltung werden beeinflusst. Außerdem kann beispielsweise die Verdauung in Mitleidenschaft gezogen sein, wenn man die Nahrung nicht richtig kauen kann. Fehlstellungen können die Atmung behindern und eine korrekte Aussprache erschweren. Insbesondere bei Kindern ist es für den Spracherwerb wichtig, bei einer Fehlstellung möglichst frühzeitig einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden aufzusuchen. Aber auch Erwachsene sollten es am besten gar nicht erst zu Beschwerden kommen lassen, sondern die Möglichkeiten einer Behandlung besprechen, rät Professor Sader.

Fehlstellungen können korrigiert werden

Längst nicht jeder schiefe Zahn und auch nicht alles, was vielleicht ästhetisch nicht ganz der Norm entspricht, muss zwangsläufig Probleme machen. In welchem Fall und mit welchen Möglichkeiten eine Fehlstellung behandelt oder korrigiert werden sollte, ist eine individuelle Entscheidung. Bei einigen Dysgnathien kann man bereits im Kindesalter mit Zahnspangen Wachstumsimpulse setzen, sagt Professor Sader. Auch manchem Erwachsenen kann mit einer Spange geholfen werden.

Im Bereich der operativen Kieferkorrektur gibt es verschiedene Methoden. Dank moderner Techniken und Geräte – zum Beispiel einer Ultraschallsäge, mit der nur Knochen und keine Weichteile geschnitten werden – können viele Eingriffe heute nicht nur präzise, sondern auch schonend durchgeführt werden. Und mit einer Korrektur werden nicht nur die funktionellen Beschwerden behoben, sondern auch die Ästhetik verbessert.