Effektivere Therapie von Hodentumoren

Beim Zweitmeinungsprojekt „Hodentumor“ können Urologen die Therapieplanung für ihre Hodenkrebspatienten online von weiteren Experten absichern lassen und so die Behandlungsqualität steigern. (Foto: WavebreakmediaMicro / Fotolia)
Beim Zweitmeinungsprojekt „Hodentumor“ können Urologen die Therapieplanung für ihre Hodenkrebspatienten online von weiteren Experten absichern lassen und so die Behandlungsqualität steigern. (Foto: WavebreakmediaMicro / Fotolia)

Zweitmeinung verbessert die Behandlungsqualität.

(dbp/fru) In Deutschland erkranken jährlich etwa 4.500 Männer an Hodenkrebs. Damit ist Hodenkrebs mit einem Anteil von nicht einmal zwei Prozent an allen Krebserkrankungen unter Männern eher selten und zudem gut heilbar. Grundsätzlich kommen je nach Diagnose mehrere Behandlungsformen infrage. Es kann z. B. eine Operation empfohlen werden, eine Strahlentherapie, eine Chemotherapie oder auch eine Kombination dieser Therapieformen. Als geheilt gilt Mann, wenn das von Krebs befallene Gewebe vollständig entfernt bzw. zerstört  wurde.

Betroffener Hoden muss entfernt werden

Welche Behandlungsform empfohlen wird, richtet sich unter anderem nach dem Stadium des Tumors. Hierfür wird die sogenannte TNM-Klassifikation herangezogen, bei der die verschiedenen Buchstaben je nach Ausmaß der Erkrankung mit weiteren Ziffern versehen werden. „T“ steht dabei für „Tumor“ und beschreibt die Ausdehnung und das Verhalten des Primärtumors. „N“ steht für das lateinische „Nodus“, was den Befall oder Nichtbefall von angrenzenden Lymphknoten angibt. Und schließlich steht das „M“ für das Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen (z. B. in der Leber). So kann ein Hodentumor im Stadium T1N0M0 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vollständig geheilt werden.

Die häufigste Behandlungsform ist die operative Entfernung des betroffenen Hodens (Orchiektomie). Hierbei wird der Hoden von der Leiste aus freigelegt und der Arzt kann oft schon mit bloßem Auge erkennen, ob es sich um einen bösartigen Tumor handelt oder nicht. Falls es tatsächlich Hodenkrebs ist, wird der erkrankte Hoden mitsamt Nebenhoden und Samenstrang entfernt. Dies hat i. d. R. keine Auswirkungen auf die Potenz und die Zeugungsfähigkeit, da diese Aufgaben auch vom noch verbliebenen gesunden Hoden erfüllt werden können.

10 Jahre Zweitmeinung in der Urologie

Fast 90 Prozent der Deutschen würden bei ernsthaften Erkrankungen eine ärztliche Zweitmeinung einholen. „Das Zweitmeinungsprojekt Hodentumor der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) kann 2016 auf zehn Jahre gelebte internetbasierte Zweitmeinungspraxis zurückblicken – es ist hiermit weltweit einzigartig“, sagt DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Das Angebot wurde seit Bestehen fast 5000 Mal genutzt und gilt als Erfolgsmodell für einen systematischen Zweitmeinungsabgleich bei der Therapiefestlegung. „Jüngste Daten zeigen eine hohe Akzeptanz und eine signifikant verbesserte Behandlungsqualität“, so Prof. Wülfing weiter.

Urologen können innerhalb des Projekts über die Internetseite www.zm-hodentumor.de anonymisiert die Daten ihrer Patienten mit einem diagnostizierten Hodentumor und ggf. die eigene Therapieplanung online an eines der 32 Zweitmeinungszentren in Deutschland und Österreich übermitteln. „Auf dieser Datengrundlage folgen in der Regel binnen 36 Stunden die Behandlungsempfehlungen der Spezialisten aus dem Netzwerk als Antwort“, erklärt Prof. Dr. Mark Schrader, Leiter des Zweitmeinungsprojektes Hodentumor.

Der Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Berlin-Buch weiter: „In 40 Prozent der Fälle unterscheiden sich Erst- und Zweitmeinung. Etwa jede sechste Zweitmeinung führte zu einer Änderung der Therapieplanung. In jedem vierten Fall konnte der Therapieumfang reduziert und damit die Lebensqualität des Patienten gesteigert werden.“