Durchs Schlüsselloch ins Gelenk

Eine Spiegelung des Gelenks (Arthroskopie) kann Diagnose und Therapie zugleich sein. (Foto: bilderzwerg / Fotolia)
Eine Spiegelung des Gelenks (Arthroskopie) kann Diagnose und Therapie zugleich sein. (Foto: bilderzwerg / Fotolia)

Die Arthroskopie ermöglicht viele Schulteroperationen auf schonende Weise

(dbp/wgt) Die Arthroskopie hat sich in den vergangenen Jahren zu einer ausgefeilten Methode der Schulterchirurgie entwickelt. Mit der minimalinvasiven Operationstechnik können inzwischen zahlreiche Schäden im Schultergelenk behoben werden, ohne dass ein schwerwiegender Eingriff wie bei den offenen Operationsverfahren notwendig wird. Für den Patienten ist die Operation durchs „Schlüsselloch“ weniger belastend und die Rehabilitationszeit deutlich kürzer.

Experten unterscheiden bei der Arthroskopie, die landläufig auch als „Gelenkspiegelung“ bezeichnet wird, zwischen der diagnostischen und der therapeutischen Anwendung. Zur Diagnose bei Verletzungen oder Erkrankungen führt der Chirurg sein Endoskop durch einen kleinen Schnitt in das Schultergelenk ein. Eine Kamera an der Spitze des Endoskops liefert ihm die Bilder direkt auf einen Fernsehbildschirm. Um unterschiedliche Regionen des Schultergelenks untersuchen zu können, werden in der Regel mehrere Schnitte angelegt. Denn nur so kann die Kamera an unterschiedlichen Stellen platziert werden. Der Arzt erhält damit die Möglichkeit einer umfassenden Beurteilung des Schultergelenks, wie sie mit einer Kernspin- oder Computertomografie oder einer Ultraschalluntersuchung oft nicht möglich ist.

Diagnose und Behandlung in einem Arbeitsgang

Beschränkt sich der Eingriff auf die reine Diagnose, dann dauert er für gewöhnlich nicht länger als zehn Minuten. Häufig werden die diagnostizierten Schäden im gleichen Arbeitsgang sofort behandelt. Dazu müssen zusätzlich zur Kamera weitere Instrumente ins Schultergelenk eingeführt werden. Am Bildschirm kann der Chirurg dann seine Arbeitsschritte kontrollieren, ohne das Gelenk freizulegen.

Zu den routinemäßigen Eingriffen, bei denen die Arthroskopie zur Anwendung kommt, zählt die Beseitigung von schmerzhaften Verengungen unter dem Schulterdach (Impingementsyndrom). Dazu trägt der Chirurg mit Präzisionsfräsen die Knochensubstanz am Schulterdach um einige Millimeter ab, um wieder Platz für Sehne und Schleimbeutel zu schaffen.

Auch Kalkherde in der Schulter, die zu schmerzenden Entzündungen führen können, werden heute in der Regel mit der minimalinvasiven Operationsmethode entfernt. Das gilt auch für Verschleißerscheinungen am äußeren Schlüsselbeinende. Der verschlissene Knochenteil wird dabei abgefräst, sodass der Patient das Schultergelenk wieder schmerzfrei bewegen kann.

Selbst größere Risse in der Rotatorenmanschette, der für die Stabilisierung der Schulter wichtigen Muskel-Sehnen-Schicht, kann der geübte Chirurg mit der arthroskopischen Methode nähen. Und nicht zuletzt lässt sich auch eine Schulterinstabilität mit der arthroskopischen Methode behandeln. Mit Nahtankern, Schrauben und Fäden wird die Schulter dabei wieder stabilisiert, um weitere Ausrenkungen zu vermeiden.

Grenzen der minimalinvasiven Methode

An ihre Grenzen stößt die Arthroskopie allerdings bei anderen Erkrankungen und Verletzungen des Schultergelenks wie etwa ausgeprägten Arthrosen oder Brüchen des Oberarmkopfes. Dann hilft meist nur noch die Implantation eines künstlichen Gelenks. Dazu ist es jedoch erforderlich, das Schultergelenk freizulegen. In den meisten anderen Fällen jedoch, in denen das nicht notwendig ist, werden die konventionellen zusehends durch minimalinvasive Operationsverfahren ersetzt.