Dunkelheit trübt die Stimmung

Dunkle Gedanken sind in der dunklen Jahreszeit vorübergehend ganz normal. (Foto: igor / Fotolia)
Dunkle Gedanken sind in der dunklen Jahreszeit vorübergehend ganz normal. (Foto: igor / Fotolia)

Der alljährlich wiederkehrende „Winterblues“ kann meist selbst behandelt werden

(dbp/auh) Lichtmangel im Winter drückt bei vielen Menschen auf die Stimmung. In den allermeisten Fällen hat die winterliche Antriebsschwäche, die mit verstärkter Müdigkeit und verminderter Tatkraft einhergeht, keinen „Krankheitswert“, teilen die Fachgesellschaften für psychische Erkrankungen unter www.psychiater-im-netz.org mit. Behandelt werden müsse diese sogenannte saisonal abhängige Depression (SAD) nur bei etwa zehn Prozent der Betroffenen.

Häufig könne bereits helfen, wenn die unter der Dunkelheit leidenden Menschen öfter nach draußen gehen. Selbst, wenn sich die Sonne nicht blicken lässt, habe ein etwa einstündiger Spaziergang eine positive Wirkung, so Dr. Frank Bergmann, Arzt für Neurologie und Psychiatrie in Aachen und Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN).

Raus ins Freie!

Das ist auch der erste Rat von York Scheller, Psychologe bei der Techniker Krankenkasse (TK). Seiner Ansicht nach genügt sogar schon ein 15-minütiger Aufenthalt im Freien: „Wer täglich eine Viertelstunde an die frische Luft geht, kann wirksam etwas gegen sein Stimmungstief tun – selbst bei schlechtem Wetter“, rät der Diplom-Psychologe. Die TK hat weitere Tipps gegen das Stimmungstief zusammengestellt:

  • Auf eine mineralstoffreiche Ernährung achten: Magnesium ist laut TK besonders wichtig für das Wohlbefinden, es helfe dem vegetativen Nervensystem und sei ein Schutzfaktor gegen Stress. Die TK empfiehlt Milch- und Vollkornprodukte, Bananen, Beerenobst und Geflügel. Auch Ananas und Kiwis sowie rohe Paprika und reife Tomaten seien gesunde „Glücklichmacher“.
  • Die körpereigene Glückshormonproduktion ankurbeln: Besonders geeignet seien Ausdauersportarten wie Jogging, Walking, Radfahren oder Skilanglauf, um das psychische Wohlbefinden zu steigern.
  • Unter Leute gehen: Soziale Kontakte helfen, dunkle Gedanken zu vertreiben.

SAD oder „echte“ Depression?

Wenn die Beschwerden allerdings ein Ausmaß erreichen, das die Grenze der Leidensfähigkeit erreicht, sollte ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beziehungsweise ein Nervenarzt konsultiert werden. „Ein Facharzt kann abklären, ob es sich um eine SAD handelt oder eine andere Depression dahintersteckt“, erläutert Dr. Frank Bergmann.

„Für die SAD sind neben gedrückter Stimmung und Leistungseinbußen Heißhunger, Gewichtszunahme und ein verstärktes Schlafbedürfnis die typischen Symptome. Hingegen leiden Menschen mit echten Depressionen meist unter Appetitlosigkeit und haben Schlafstörungen. Spätestens wenn Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit im Frühjahr weiter bestehen, muss unbedingt abgeklärt werden, ob es sich um eine nicht saisonal bedingte Depression handelt“, betont Dr. Bergmann. Eine anhaltende Depression bedarf einer psychotherapeutischen und oftmals auch medikamentösen Behandlung.

Zur Therapie einer behandlungsbedürftigen SAD stehen mehrere Methoden zur Verfügung. „Die Beschwerden bessern sich meist durch eine Lichttherapie“, so Dr. Bergmann. In Kliniken oder bei einem Arzt mit entsprechender Ausstattung werden die Patienten täglich eine halbe Stunde mit Licht in einer Intensität von 10.000 Lux bestrahlt, erklärt der Verein „Pro Psychotherapie“ unter www.therapie.de und fügt hinzu: „Lichttherapie-Geräte kann man auch für zu Hause zur eigenen Nutzung kaufen. Allerdings sollte vor einer Eigenbehandlung unbedingt ein Facharzt oder Psychologe mit entsprechenden Fachkenntnissen zur Diagnose und Therapieplanung aufgesucht werden.“