Die Wechseljahre schwächen auch die Blase

Gezielte Übungen zum Muskelaufbau sind vorbeugend und therapeutisch wirksam bei Harninkontinenz. (Foto: underdogstudios / Fotolia)
Gezielte Übungen zum Muskelaufbau sind vorbeugend und therapeutisch wirksam bei Harninkontinenz. (Foto: underdogstudios / Fotolia)

Nach der Menopause leidet die Mehrheit der Frauen unter Harninkontinenz

(dbp/auh) Beschwerden in den Wechseljahren sind vielfältig und betreffen den gesamten weiblichen Organismus. Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen gelten als klassische Symptome. Etwa zwei Drittel der Frauen nach der Menopause, so wird die letzte reguläre Menstruationsblutung genannt, haben zudem Schwierigkeiten mit dem Wasserhalten. Allerdings wendet sich nur jede fünfte Frau deswegen an einen Arzt.

Inkontinenz ist behandelbar

„Viele Frauen glauben, Inkontinenz sei eine normale Begleiterscheinung, mit der sie leben müssten“, erklärt Dr. Reinhold Schaefer, Urologe und ärztlicher Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Uro-GmbH Nordrhein. Das sei ein Irrtum. Die Beschwerden ließen sich meist mit einfachen Maßnahmen beheben. Beckenbodentraining und eine lokal begrenzte Hormonbehandlung könnten die Lebensqualität erheblich bessern.

„Inkontinenz ist in 80 Prozent der Fälle heilbar, ärztliche Hilfe sollte deshalb unbedingt in Anspruch genommen werden“, betont auch der Frauenarzt Dr. Reinhold Bastians, Mitglied in der frauenärztlichen Genossenschaft GenoGyn. Der Experte für Urogynäkologie erläutert: „Je nach Form und Ausprägung der Inkontinenz und ihrer multifaktoriellen Ursachen stehen uns heute zahlreiche konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.“

Ursache Östrogenmangel

Wo liegen de Ursachen für Inkontinenz nach der Menopause? „Verantwortlich für die plötzliche Inkontinenz sind Änderungen im Hormonhaushalt“, erklärt Dr. Schaefer und erläutert die Zusammenhänge: In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, da die Eierstöcke langsam ihre Arbeit einstellen. Dadurch reagiert der weibliche Körper stärker auf Stoffe im Urin. In der Folge nimmt der Harndrang zu. Durch die fehlenden Östrogene sinkt der ph-Wert im weiblichen Genitalbereich und die Schleimhäute werden schlechter durchblutet. Das Risiko für Blasenentzündungen oder Harnwegsinfekte steigt an. Zusätzlich schwächt der Östrogenmangel Bindegewebe, Schließmuskel und Beckenbodenmuskulatur. Dies kann zu einer Senkung von Blase und Gebärmutter führen und somit eine Blasenschwäche begünstigen.

Beckenbodentraining und Hormontherapie

Welche Therapieoptionen gibt es? „Beckenbodentraining unter gezielter Anleitung ist die Basis jeder Therapie“, da sind sich die Fachärzte einig. „Die Patientin erlernt dabei die isolierte Kontraktion der unwillkürlichen Muskulatur des Beckenbodens. Im Anschluss sind ausgewählte Sportarten therapeutisch durchaus angeraten und bieten eine längerfristige Motivation“, empfiehlt Frauenarzt Dr. Bastians. Radfahren, Reiten, Walken, Schwimmen und Yoga stärken die Beckenbodenmuskulatur. Joggen sei allerdings kontraproduktiv, da es den Beckenboden enorm belaste.

Der Urologe Dr. Schaefer empfiehlt zur Behandlung von Inkontinenz infolge von Hormonmangel die lokale Gabe von Östrogenen. Ohne auf eine umfassende Hormontherapie zurückzugreifen, wirke diese Form der Hormongabe nur begrenzt und sei dadurch mit wenig Risiken verbunden. Entsprechende Salben und Zäpfchen sorgen laut Dr. Schaefer für eine bessere Durchblutung der Blase und halten das Gewebe elastisch.