Die Vorboten des Alterszuckers erkennen

Die gängigen Blutzuckermessgeräte für zu Hause ermitteln den Blutzucker, nicht den HbA1c-Wert. (Foto: alho007 / Fotolia)
Die gängigen Blutzuckermessgeräte für zu Hause ermitteln den Blutzucker, nicht den HbA1c-Wert. (Foto: alho007 / Fotolia)

Früherkennung lohnt sich bei Typ-2-Diabetes, denn Folgeschäden können vermieden werden

(dbp/auh) Für die sichere Diagnose des Diabetes genügt ein einfacher Bluttest. Dennoch gibt es schätzungsweise zwischen zwei und drei Millionen Menschen in Deutschland, die Diabetiker sind, ohne es zu wissen.

Mit etwa 90 Prozent ist der Typ-2-Diabetes die häufigste Form der Krankheit, auch „Alterszucker“ genannt. Dieser Diabetes-Typ lässt sich (im Gegensatz zum Typ-1-Diabetes) in seinem frühen Stadium ganz ohne Medikamente behandeln: Ernährungsumstellung, Ausdauer- und Muskeltraining sowie weitere Lebensstilveränderungen halten den Zucker im Zaum. Allerdings: Wird ein Alterszucker über Jahre hinweg nicht erkannt und folglich nicht behandelt, sind ernste Folgeschäden unvermeidbar. Deshalb ist Früherkennung bei Typ-2-Diabetes so wichtig.

Es gibt zwar einige Frühwarnsymptome, zum Beispiel großer Durst und häufiger Harndrang. Diese treten aber bei etwa zwei Drittel der Typ-2-Patienten nicht deutlich zutage. Andere Zeichen werden oft als normale Begleiterscheinungen des Alters gedeutet: ungewollte Gewichtsabnahme, Müdigkeit und nachlassende Leistungsfähigkeit, häufige Infektionen oder auch schlecht heilende Wunden.

Regelmäßig zum Blutzuckertest

Deshalb sollten auch beschwerdefreie Menschen, die zur Risikogruppe für Typ-2-Diabetes gehören, beim Arzt einen Blutzuckertest machen lassen. Darauf weist die Apothekerkammer Niedersachsen hin und rät folgenden Personengruppen zu einer regelmäßigen Blutzuckermessung:

• Frauen, die schon einen Schwangerschaftsdiabetes hatten,

• Personen, bei denen Blutsverwandte an Diabetes erkrankt sind und

• Menschen, die wenig Bewegung, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselprobleme haben.

Den „Check-up 35“ nutzen

Die Apothekerkammer Niedersachsen empfiehlt, die Vorsorgeuntersuchungen, die Krankenkassen anbieten, unbedingt in Anspruch zu nehmen. Dazu zählt sicher in erster Linie der sogenannte „Check-up 35“, der allen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahre alle zwei Jahre kostenlos angeboten wird. Nach Ansicht des international hoch angesehenen Diabetes-Experten Professor Hellmut Mehnert wird dieser Check-up von Hausärzten immer noch viel zu selten vorgenommen, obwohl er nicht das Budget belastet. Professor Mehnert wird auch im Alter von 85 Jahren nicht müde, in seiner vierzehntägig erscheinenden Kolumne in der Ärztezeitung immer wieder zu Früherkennung und Prävention von Diabetes aufzurufen.

Seiner Meinung nach sollten Menschen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko halbjährlich „gescreent“ werden (Ärztezeitung vom 12.09.2013). Wie sollte dieses Screening aussehen? Nicht mehr empfohlen werde die Messung des Nüchternblutzuckers. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät stattdessen zur Bestimmung des HbA1c-Wertes. Dabei handelt es sich um den Farbstoff der roten Blutkörperchen, der sich mit dem Zucker verbindet. Der Wert wird meist immer noch in Prozent angegeben und zeigt an, wie hoch die Konzentration des Blutzuckers ist.

Ab 6,5 Prozent liegt ein Diabetes vor, bei weniger als 5,7 Prozent kann man einen Diabetes ausschließen. Bei Werten zwischen 5,7 und 6,4 Prozent müssen Nüchternblutzuckertest oder oraler Glukosetoleranztest (oGTT) zur weiteren Diagnostik genutzt werden.