Die Suche nach dem genetischen Zwilling

Ein einfacher Wangenabstich mit einem Wattestäbchen reicht vollkommen aus, um zu prüfen, ob man für jemanden als Stammzellenspender infrage kommt. (Foto: PeJo / Fotolia)
Ein einfacher Wangenabstich mit einem Wattestäbchen reicht vollkommen aus, um zu prüfen, ob man für jemanden als Stammzellenspender infrage kommt. (Foto: PeJo / Fotolia)

Warum es so wichtig ist, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen.

(dbp/abz) Rund 12.000 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Leukämie oder anderen bösartigen Blutkrankheiten. Wenn eine medikamentöse Therapie nicht möglich ist, hängt das Leben der Betroffenen an der Übertragung geeigneter gesunder Blutstammzellen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Stammzellenspende ist allerdings die möglichst genaue Übereinstimmung der entsprechenden Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger.

Die Suche in der Familie ist am erfolgversprechendsten

Am größten ist die Wahrscheinlichkeit einer ausreichenden Übereinstimmung der Stammzellen bei Geschwistern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zusammenpassen beträgt hier rund 25 Prozent. Die nächsten in Frage kommenden Kandidaten sind in der Regel die Eltern oder andere nahe Verwandte. Sollte auch hier kein Treffer zu erzielen sein, muss bei Nichtverwandten, letztendlich bei völlig fremden Menschen gesucht werden. Tatsächlich findet nur jeder dritte Patient innerhalb der eigenen Familie den geeigneten Spender. Leider ist die Wahrscheinlichkeit außerhalb der eigenen Familie den Menschen zu finden, dessen Stammzelleninformationen so gut mit den eigenen übereinstimmen, sehr gering. Die Trefferquote beträgt nur 1 zu 20.000 bis 1 zu mehreren Millionen.

Dies macht deutlich, warum es so wichtig ist, dass sich möglichst viele Menschen in einer entsprechenden Datenbank registrieren lassen. Dafür ist übrigens nur ein einfacher Wangenabstich mit einem Wattestäbchen nötig. Die darauf  enthaltenen Gewebeinformationen reichen aus, um im Fall einer Übereinstimmung gefunden zu werden. In Deutschland führt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die entsprechende Spenderdatenbank. Die darin registrierten Gewebeinformationen von zurzeit rund 6 Millionen potentiellen Knochenmarkspendern stehen übrigens weltweit zur Verfügung.

Stammzellenspende ist in der Regel nicht sehr aufwendig

Sollte ein potentieller Spender anhand der in der Datenbank hinterlegten Gewebeinformationen als Spender für einen Erkrankten in Frage kommen, schließen sich weitere genauerer Untersuchungen an, um den Grad der Übereinstimmung und die Eignung als Spender näher einzugrenzen. Dafür sind Blutuntersuchungen notwendig und auch eine Beurteilung des Gesundheitszustandes des Spenders. Sollten alle Voraussetzungen passen, steht die endgültige Entscheidung des Spenders an, tatsächlich Stammzellen zu spenden.

Für die Stammzellenspende, die übrigens bedeutungsgleich mit dem Begriff Knochenmarkspende ist, gibt es zwei verschiedene Arten. In den meisten Fällen, d.h. in rund 80% der Fälle reicht die die sogenannte „periphere Stammzellspende“ aus. Dabei werden die Stammzellen der Blutbahn des Spenders entnommen. Die einzigen Einschränkungen für den Spender können grippeähnliche Symptome nach der Spende sein.

Bei rund 20 % der Erkrankten ist es notwendig, Stammzellen zu erhalten, die beim Spender direkt aus dem Knochenmark entnommen werden müssen. Dabei werden dem Spender durch meist zwei kleine Einschnitte im Bereich des hinteren Beckenknochens rund 5 % seines Knochenmarks entnommen. Dies bedeutet für den Spender einen erheblich größeren Aufwand und auch ein gewisses Risiko, welches sich in erster Linie durch die notwendige Vollnarkose einstellt. Beim Empfänger werden die Stammzellen dann wie bei einer Bluttransfusion transplantiert, um neue, gesunde Blutzellen zu bilden. Vorher muss das erkrankte Knochenmark beim Empfänger durch Chemotherapie zerstört werden.