Die Schulter vom Kalk befreien

Physiotherapie kann zur Schmerzlinderung bei Schulterbeschwerden beitragen. (Foto: RioPatuca Images / Fotolia)
Physiotherapie kann zur Schmerzlinderung bei Schulterbeschwerden beitragen. (Foto: RioPatuca Images / Fotolia)

Zur Behandlung der Kalkschulter stehen mehrere Methoden zur Verfügung

(dbp/nas) Kalkansammlungen an den Sehnen der Schultermuskulatur können gravierende Beschwerden verursachen. Heftige Schmerzschübe, vor allem bei Arbeiten „über Kopf“ wie Wäsche aufhängen oder Fenster putzen, sind typisch. Ob eine Kalkschulter behandelt werden muss, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind. Da die Erkrankung häufig ohne Symptome verläuft, wissen viele nicht einmal, dass sie betroffen sind.

Mit Gymnastik gegen die Enge im Gelenk

Die schonendste Behandlungsmethode ist, der von den Kalkeinlagerungen geschwollenen Sehne mehr Raum zu verschaffen. Krankengymnastik und vor allem Übungen zu Hause sollen helfen, die Brustmuskeln zu dehnen und die Muskulatur des Schulterskeletts zu kräftigen. Ruhigstellen sollte man die betroffene Schulter auf Dauer nicht, sonst droht sie, steif zu werden.

Folgende drei Übungen für zu Hause empfiehlt Dr. Andreas Betthäuser vom Schulter-Zentrum Hamburg:

1. Mit dem Arm auf Schulterhöhe gegen den Türrahmen drücken, der Körper dreht sich entgegengesetzt, sodass der Arm nach hinten gedehnt wird. Diese Position 20 Sekunden halten und dasselbe mit der Gegenseite machen.

2. Aus dem Vierfüßlerstand den rechten Arm sowie das linke Bein (und dann umgekehrt) gleichzeitig anheben und kurz halten, zehn Mal jeweils.

3. In Bauchlage die Arme rechts und links seitlich anheben, mit dem Daumen zur Decke und dann rechtwinklig die Hände nach vorn und zur Taille führen.

Physiotherapie könne allerdings nur die Bedingungen um das Depot herum verbessern und nicht die Kalkansammlung beseitigen, betont der Schulterexperte.

Operation und andere Methoden

Der sicherste Weg zum Erfolg sei die Ausräumung des Kalkdepots durch eine Operation. Es gibt mehrere Methoden; eine davon ist die minimal-invasive Ausräumung. Dabei wird das Kalkdepot über einen kleinen Schnitt unter Ultraschall-Kontrolle direkt ausgekratzt.

Bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) wird endoskopisch operiert. Stellt sich bei der Spiegelung heraus, dass der Raum zwischen Oberarmkopf und Schulterdach zu eng ist (man spricht dann von einem Impingement), kann dieser Raum gleich mit erweitert werden. So wirkt ein Eingriff gegen zwei Erkrankungen.

Bei der extrakorporalen fokussierten Stoßwellentherapie wiederum wird der Verkalkungsherd mithilfe hochenergetischer Schallwellen zerstört. So kann der Körper die Verkalkung auflösen und abbauen. Bei 60 bis 70 Prozent der Patienten bringe diese Methode eine Verbesserung, sagt Dr. Betthäuser. Voraussetzung dafür ist aber, dass das Kalkdepot nicht zu groß und der Kalk nicht zu hart ist.

Nach Angaben des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) spricht vieles dafür, die Stoßwellentherapie einer Operation vorzuziehen. Allerdings zahlen die gesetzlichen Kassen die Therapie nicht. Je nach Gerät, Stoßwellenzentrum und Aufwand liegen die Kosten laut BVOU zwischen 200 und 750 Euro.

Übrigens: Bei der Kalkschulter kommt es relativ häufig zu einer Spontanheilung, die allerdings mit extrem starken Schmerzen verbunden ist: Der Kalkherd kann ganz von allein aufbrechen. Dieser Vorgang setzt einen Reparaturprozess in Gang, an dessen Ende die Sehne wieder völlig funktionsfähig ist.