Die Schmerzen einfach wegkleben

Eine Behandlung mit Kinesio-Tapes kann auch in Eigenregie erfolgen. Es wäre jedoch besser, wenn das ein ausgebildeter Fachmann übernimmt (z. B. Arzt, Physiotherapeut, etc.). (Foto: Fotolia / Africa Studio)
Eine Behandlung mit Kinesio-Tapes kann auch in Eigenregie erfolgen. Es wäre jedoch besser, wenn das ein ausgebildeter Fachmann übernimmt (z. B. Arzt, Physiotherapeut, etc.). (Foto: Fotolia / Africa Studio)

Kinesio-Tapes werden immer beliebter.

(dbp/spo/fru) Der Japaner Kenzo Kase gilt als Erfinder der Kinesiologie-Tapes (Kinesio-Tapes), die heutzutage insbesondere bei Profi- und Freizeitsportler zum Einsatz kommen. Vor bereits ca. 40 Jahren wandte der erfahrene Chiropraktiker die atmungsaktiven, hochelastischen Klebestreifen bei Sumo-Ringern an – damals als eine schonende Alternative zu medikamentösen Schmerztherapien. Und auch heute schwören viele Handballer, Leichtathleten, Fußballer und andere Sportler auf die bunten Klebebänder, wenn es darum geht, Schmerzen und Muskelverspannungen zu behandeln – und das, obwohl gesicherte wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit der Methode nicht vorliegen.

Schmerzreduktion und verbessertes Körperbewusstsein

Der Wirkmechanismus der Kinesio-Tapes könnte laut Privatdozent Dr. Dr. Thorsten Schiffer, Sportmediziner an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln, in der sogenannten „Gate-Control-Theorie“ liegen. Die lautet so: Alle Empfindungen – sowohl auf der Haut als auch in den Muskeln – werden über eigenständige Nerven ins Gehirn weitergeleitet. Auf Höhe des Rückenmarks wird jedoch für die Weiterleitung teilweise derselbe Nerv genutzt, der eine Art „Gate“ (Tor, Pforte) zum Hirn bedeutet. Berührungseindrücke, wie sie der Körper durch das Kinesio-Tape erhält, könnten demnach das „Tor zum Gehirn“ für die Schmerzwahrnehmung aus den Muskeln teilweise verschließen. Also wird das Tape äußerlich auf jene Segmente geklebt, aus denen akut Schmerzen ans Gehirn gemeldet werden.

Darüber hinaus soll es die betroffenen Muskeln stützen und damit entspannen und besser durchbluten. Durch die körperliche Bewegung wird zudem das Lymph- und Nervensystem an der behandelten Stelle stimuliert. Das alles klingt vom Prinzip her einfach, die Behandlung sollte aber nur von einem ausgebildeten Fachmann durchgeführt werden. Ärzte, Physiotherapeuten und andere medizinischen Berufe können sich mittels Schulungen und Seminaren im Kinesio-Taping weiterbilden lassen.

Auch von Fußball-Nationalspielern verwendet

Im Sommer steht die Fußball-WM in Russland an. Auch hier werden wir wieder viele bunt beklebte Körperteile sehen. Klaus Eder ist Physiotherapeut der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und verrät auf den Internetseiten des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), dass schon seit der WM 2002 in Japan und Südkorea deutsche Nationalspieler mit Kinesio-Taping behandelt werden. „Damals wurde mir und Mannschaftsarzt Prof. Dr. Müller-Wohlfahrt das Kinesio-Tape vorgestellt. Zunächst waren wir davon nicht begeistert, haben uns dann aber eines Besseren belehren lassen, auch durch eigene Erfahrungen“, sagt der Regensburger. Seitdem komme das Tape regelmäßig bei der Nationalmannschaft zum Einsatz.

Angesprochen auf die konkreten Einsatzmöglichkeiten erklärt Eder, dass ein Kinesio-Taping in den drei Bereichen Prävention, Rehabilitation und Korrektur eingesetzt werden kann. „Zur Vorbeugung, weil die physiologischen Prozesse verbessert werden: Bessere Durchblutung, schnellerer Abtransport von Schlacken, verbesserte Nervenleitgeschwindigkeit und dadurch auch optimale Reflexlaufzeiten“, erläutert der Ausbilder für Sportphysiotherapie. Zur Rehabilitation könne der Kinesio-Verband bei frischen Verletzungen wie Blutergüssen oder Gelenkergüssen eingesetzt werden. Außerdem gebe es auch noch Korrektur-Tapes, bei denen das Gelenk durch das Tape wieder in die richtige Stellung gebracht werden soll.

 

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Online-Informationen des Deutschen Fußball-Bunds unter https://www.dfb.de/trainer/artikel/was-bringt-kinesiotape-1160/?no_cache=1 (abgerufen im Januar 2018), Interview mit Dr. med Thorsten Schiffer, Sportmediziner an der Deutschen Sporthochschule Köln