Die reine Lehre

Die klassische Homöopathie ist ein klar definiertes Heilverfahren. (Foto: Kathrin39 / Fotolia)
Die klassische Homöopathie ist ein klar definiertes Heilverfahren. (Foto: Kathrin39 / Fotolia)

Anwender der klassischen Homöopathie mit Einzelmitteln legen Wert auf Qualitätsstandards

(dbp/auh) In Deutschland dürfen nur Ärzte und Heilpraktiker die homöopathische Heilmethode anwenden. Wollen Ärzte die Zusatzbezeichnung „Homöopathie“ führen, müssen sie eine von der Bundesärztekammer definierte Weiterbildung absolviert haben. Darüber hinaus zertifiziert die Stiftung Homöopathie-Zertifikat (SHZ) homöopathisch arbeitende Heilpraktiker und Ärzte, die ihre Qualifikation als Therapeut, Dozent oder Supervisor nachgewiesen haben. Auch Schulen, Aus- und Weiterbildungsinstitute werden von der SHZ akkreditiert, die sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität homöopathischer Praxis zu fördern und zu sichern.

Die klassische Homöopathie ist ein klar definiertes Heilverfahren, das leider, so der Karlsruher Heilpraktiker Carl Classen auf seiner Homepage www.arscurandi.de, „meist mit allerlei schnell verordneten, möglicherweise „natürlichen“ Mittelchen in einen Topf geworfen“ werde. Classen weiter: „Im heutigen Homöopathie-Boom werden auch homöopathische Einzelmittel häufig nur nach Diagnose angewendet oder gar im Internet entsprechend beworben. Dieser Missbrauch von Einzelmitteln hat ebenfalls nichts mit klassischer Homöopathie zu tun.“

Auch der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands (VKHD) legt Wert auf die Abgrenzung von „Mischformen“ der Therapie: „Verschreibt ein Therapeut nur aufgrund vorliegender Diagnosen, so hat das nichts mit einer korrekten homöopathischen Vorgehensweise zu tun.“

Gründliche Anamnese

Wie sieht die „korrekte Vorgehensweise“ aus? Woran erkennt ein Patient einen „klassischen“ Homöopathen? Zentrale Elemente der Behandlung seien eine gründliche Anamnese und die individuelle Verordnung unvermischter homöopathischer Einzelmittel, so der VKHD. Bei der Anamnese könne es sich laut SHZ durchaus um ein mehrere Stunden dauerndes Gespräch handeln.

Denn es gehe in diesem Erstgespräch nicht nur um die körperlichen Beschwerden des Patienten. Vielmehr müsse sich der Arzt oder Heilpraktiker ein Bild vom Patienten machen, das „alle Ebenen des menschlichen Seins berücksichtigt: Körper – Geist – Seele“, so die SHZ. „Das so gewonnene Bild des Patienten wird in Ähnlichkeit mit der Wirkung eines geprüften homöopathischen Arzneimittels gesetzt. Eine homöopathische Verschreibung bezieht sich also immer auf die spezifischen, individuellen Symptome und Wahrnehmungen eines Patienten.“

Keine Spritzen oder Salben

Verordnet werden ausschließlich Globuli (Kügelchen) oder Tropfen in verschiedenen Potenzierungsgraden. Spritzen und Salben zählen nach Auffassung des VKHD nicht zur klassischen Homöopathie. Wurde das individuell „richtige“ Arzneimittel gewählt, dann ist laut Samuel Hahnemann „eine Heilung nicht zu verhindern“.

Zu den Besonderheiten bei der Anwendung homöopathischer Arzneimittel zählt, dass sie niemals vorbeugend eingenommen werden dürfen. Außerdem könne die Einnahme über einen längeren Zeitraum durchaus zu unangenehmen Reaktionen führen, so der VKHD. Daher ist auch die Selbstbehandlung mit homöopathischen Mitteln nur sehr eingeschränkt empfehlenswert. Hochpotenzen ab C30 und die Behandlung chronischer Erkrankungen seien für die Selbstmedikation gänzlich ungeeignet.