Die Pflege auf mehrere Schultern verteilen

Einen Teil der Pflegeverantwortung an professionelle Kräfte abzugeben, kann für Pflegende wie auch Pflegebedürftige eine Erleichterung sein. (Foto: Kzenon / Fotolia)
Einen Teil der Pflegeverantwortung an professionelle Kräfte abzugeben, kann für Pflegende wie auch Pflegebedürftige eine Erleichterung sein. (Foto: Kzenon / Fotolia)

Ein ambulanter Pflegedienst bringt große Entlastung

(dbp/spo) Als Arthur G. (69) mit dem zweiten Schlaganfall ins Krankenhaus kam, war schnell klar: Er wird ein Pflegefall bleiben. Er wird ein Pflegebett brauchen, Hilfe beim Essen und Waschen sowie Inkontinenzvorlagen. Für die Familie stand fest: Arthur G. soll weiter zu Hause wohnen. Doch können Angehörige diese pflegerische Aufgabe überhaupt alleine bewältigen?

Grundsätzlich ja, sagt die Landesstelle Pflegende Angehörige Nordrhein-Westfalen, die Pflegenden Beratung und Hilfestellung gibt. Die nötigen Handgriffe und Techniken können in einem Pflegekurs erlernt werden – Infos dazu gibt es bei der Pflegekasse. Allerdings kann die Pflege eines Angehörigen eine zeitlich, körperlich und psychisch extrem belastende Angelegenheit sein. Es sollte also gut überlegt werden, ob nicht doch zusätzlich ein ambulanter Pflegedienst engagiert wird.

Natürlich gibt es Argumente dagegen. Es kommen Fremde ins Haus, die dem Pflegedürftigen vielleicht sogar unsympathisch sind. Und dann die Kosten: Auch wenn eine Pflegestufe und damit ein Anspruch auf Zuschüsse besteht, muss ein Teil der Rechnung in der Regel selbst beglichen werden.

Manche Aufgaben überfordern

Andererseits gibt es eine Reihe guter Gründe für einen Pflegedienst. Vielleicht wohnen die Angehörigen weit weg und können nicht ständig kommen. Vielleicht sind sie berufstätig und haben wenig Zeit. Womöglich fühlen sie sich auch mit der Pflege überfordert, brauchen zwischendurch Abstand und Entlastung. Und vielleicht wollen sie manche pflegerischen Aufgaben gar nicht übernehmen – etwa Dinge, die mit Körperausscheidungen zu tun haben.

Was viele darüber hinaus nicht bedenken: Vielleicht will der Pflegebedürftige selbst nicht, dass nahe Angehörige ihn bei intimen Handgriffen unterstützen. So wie die 91-jährige Elisabeth P. Sie kommt mit Hilfe ihrer Tochter und Schwiegertochter noch gut in der eigenen Wohnung zurecht. Aber für sie ist klar: „Wenn ich einmal aufwändig gepflegt werden muss, will ich das in der Familie keinem zumuten.“ Das habe einerseits mit Scham zutun, anderseits aber auch mit dem unangenehmen Gefühl, anderen ständig zur Last zu fallen. Dem Pflegedienst-Mitarbeiter ist man nichts schuldig. Er wird für seine Arbeit bezahlt und ist obendrein besser ausgebildet.

Für die Angehörigen ist es oft erleichternd, einen Teil der Verantwortung an professionelle Kräfte abzugeben. Ein Pflegedienst schafft Freiräume zum Kraft tanken. Das kommt letztendlich auch dem Pflegebedürftigen wieder zugute.

Mehr Geld für die Betreuung

Zum Januar 2015 wurden die Leistungen aus der Pflegeversicherung für die ambulante Pflege erhöht. Außerdem haben jetzt alle Pflegebedürftigen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen. Dieses Geld kann auch für Betreuungsangebote von ambulanten Pflegediensten eingesetzt werden – etwa Spaziergänge, gemeinsame Spiele oder Ähnliches. Wer sich bei der Pflegekasse oder dem Pflegestützpunkt gut informiert, kann diverse Möglichkeiten nutzen, die große Aufgabe Pflege auf mehrere Schultern zu verteilen.

Die Ehefrau von Arthur G. hat schließlich entschieden, die Pflege zu Hause ohne einen ambulanten Dienst zu stemmen. Funktioniert hat das allerdings nur, weil ein Freund der Familie unterstützend einsprang. Er ist von Beruf Altenpfleger.

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