Die Niere ist „ein toller Apparat“

Nierenerkrankungen machen sich erst in einem späten Stadium bemerkbar. (Foto: 4designersart / Fotolia)
Nierenerkrankungen machen sich erst in einem späten Stadium bemerkbar. (Foto: 4designersart / Fotolia)

Weitgehend unbemerkt verrichten Nieren ihre komplexen Aufgaben

(dbp/nas) 1.700 Liter Blut durchströmen an einem einzigen Tag die beiden Nieren des menschlichen Körpers. Mehr als eine Million kleiner „Reinigungseinheiten“ sorgen dort für die körpereigene „Blutwäsche“: Gift- und Abfallprodukte sowie nicht benötigte Flüssigkeit werden ausgeschieden und alle für den Körper wichtigen Stoffe zurückbehalten.

„Die Niere ist ein superkomplexes Organ – eigentlich ein toller Apparat“, findet Professor Dr. Joachim Hoyer, Leiter der Klinik für Nierenheilkunde am Marburger Universitätsklinikum. Alle Aufgaben, die sie wahrnimmt, laufen von uns unbemerkt ab. Das bedeute leider auch, dass Nierenerkrankungen oft nicht erkannt werden und dass sich der Zustand des Organs schleichend verschlechtern kann.

Nieren beeinflussen und steuern viele Prozesse

Die rund 1,5 Liter Urin, die jeder Mensch pro Tag über seine Blase ausscheidet, sind lediglich ein Prozent dessen, was die Nieren an Harn produzieren. Das meiste der gut 150 Liter wird im Organ wieder resorbiert. Die Produktion von Urin und das Filtern des Blutes sind aber nicht die einzigen Aufgaben der Nieren. Sie kontrollieren auch den Knochenstoffwechsel und den Salzgehalt des Körpers und beeinflussen die Blutbildung. Außerdem steuern Hormone aus der Niere den Blutdruck. Vor allem dieser Zusammenhang ist für unsere Gesundheit relevant.

„Es gibt einen eindeutigen inhaltlichen Zusammenhang zwischen einer Einschränkung der Nierenfunktion und dem Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden“, erklärt Professor Hoyer. Befindet sich Eiweiß im Urin oder ist der Kreatinin-Wert erhöht (Kreatinin ist ein Abbauprodukt des Stoffwechsels), sind dies Alarmzeichen für eine Nierenfunktionsstörung – und die gilt als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, so der Experte. Wie entscheidend die Funktion unserer Nieren ist, zeigt die Tatsache, dass Nierenprobleme im Krankenhaus das Mortalitätsrisiko eines Patienten verdoppeln.

Diabetes und Bluthochdruck schädigen die Nieren

Umgekehrt besteht vor allem bei Bluthochdruck und bei Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) Gefahr für die Niere. In gut einem Drittel aller Fälle eines dialysepflichtigen Nierenversagens ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ein Diabetes schuld, in etwa 20 Prozent Bluthochdruck. Für Professor Hoyer ist die Blutdruckeinstellung der entscheidende Ansatz zur Prophylaxe von Nierenerkrankungen. Und dazu kann jeder selbst eine Menge beitragen: Salzarm und vitaminreich essen, viel bewegen, bestehendes Übergewicht langsam abbauen, nicht rauchen.

Rauchen löst zwar nach heutigem Wissensstand keine Nierenerkrankungen aus, sorgt aber dafür, dass bestehende Schädigungen schneller voranschreiten, erläutert Professor Hoyer. Wichtig sei auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Eineinhalb Liter sollten Gesunde pro Tag mindestens zu sich nehmen. Wer an einer fieberhaften Erkrankung oder Durchfall leidet, muss mehr trinken – insbesondere ältere Menschen. Im Hinblick auf die Beteiligung der Nieren an der Blutbildung und am Knochenstoffwechsel sollte man auch auf seine Eisenwerte sowie die Versorgung mit Vitamin D und Kalzium achten.