Die Milch ist zu dünn, die Brust ist zu klein

Die Größe der Brust hat keinen Einfluss auf die Stillfähigkeit – das ist nur eines von vielen Ammenmärchen rund um das Thema Stillen. (Foto: taramara78 / Fotolia)
Die Größe der Brust hat keinen Einfluss auf die Stillfähigkeit – das ist nur eines von vielen Ammenmärchen rund um das Thema Stillen. (Foto: taramara78 / Fotolia)

Die größten Ammenmärchen zum Thema Stillen

(dbp/spo) Beim Thema Stillen haben sich über die Zeit viele Gerüchte und Ammenmärchen entwickelt. Einige davon halten sich hartnäckig, obwohl gar nichts dahinter steckt.

  1. Stillen ist am Anfang immer schmerzhaft. Falsch! Zwar kann es anfangs sein, dass die Brustwarzen gerötet und etwas gereizt sind. Richtig schmerzhaft sollte das Anlegen aber nicht sein. Wenn doch, stecken nach Angaben der La Leche Liga meist eine falsche Technik oder Saugprobleme dahinter. Betroffene Frauen sollten sich bei ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin Hilfe holen.
  2. Wenn die Mutter Kohl isst, bekommt das Baby Bauchweh. Es macht keinen Sinn, von vorneherein auf alles Blähende zu verzichten. Stillende Mütter können alles essen, was sie schon in der Schwangerschaft gegessen haben, sagt Stillberaterin Sandra Deissmann. Denn über das Fruchtwasser hat das Kind in der Regel eine Toleranz entwickelt. Empfindliche Kinder reagieren manchmal trotzdem auf bestimmte Lebensmittel. Das sollte aber besser ausprobiert werden, als sich vorsorglich und unnötig den Speiseplan zu beschneiden.
  3. Viel trinken ist für stillende Mütter extrem wichtig. Ausreichend zu trinken ist immer wichtig, allerdings hat die Trinkmenge keine Auswirkung auf die Milchbildung. „Viel trinken füllt die Blase, nicht die Brust“, so die La Leche Liga.
  4. Stilltee regt die Milchbildung an. Der einzige Stoff, der wissenschaftlich belegt die Milchbildung anregt, ist Bockshornkleesamen, so Sandra Deissmann. Alles andere, was als „anregend“ verkauft wird – zum Beispiel der beliebte Stilltee (Fenchel-Anis-Kümmel-Tee, der oft gar keinen Bockshornkleesamen enthält) – ist eher Tradition als nachweislich hilfreich. Um mehr Milch zu produzieren, braucht die Brust das Signal, häufiger entleert zu werden. Die Nachfrage regelt das Angebot.
  5. Meine Milch ist zu dünn, sie macht das Baby nicht satt. Falsch! Jede gesunde, ausreichend ernährte Frau produziert automatisch genau die Milch, die ihr Baby braucht. Wenn das Baby nicht richtig zunimmt, liegt es nicht an der Qualität der Milch, sondern wahrscheinlich daran, dass es zu wenig trinkt.
  6. Die Brust ist zu klein oder zu groß zum Stillen. Nein! Die Größe einer Brust hat keinen Einfluss auf die Stillfähigkeit. Entscheidend ist die Menge an Brustdrüsengewebe. Davon ist aber in der Regel genügend vorhanden. Nur etwa zwei Prozent der Frauen können wegen zu wenig Brustdrüsengewebe tatsächlich nicht stillen, so Sandra Deissmann.
  7. Zwischen den Stillmahlzeiten muss mindestens zwei Stunden Abstand sein. Wenn neue Milch sich mit der „alten“, halbverdauten mischt, gibt das Bauchschmerzen – so das gängige Gerücht. Die Stillabstände sollten sich aber nicht nach der Uhrzeit, sondern nach Babys Hungergefühl richten, rät der Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL). Wichtig ist, dass ausreichend lang gestillt wird, sodass der Nachwuchs die energiereiche Hintermilch bekommt. Der Abstand spielt keine Rolle. Ansonsten fragt der BDL: Mal ehrlich, bekommen Sie Bauchschmerzen, wenn Sie kurze Zeit nach dem Essen noch etwas Süßes naschen?
  8. Frauen, die nicht stillen, sind schlechte Mütter. Falsch! Zwar ist Muttermilch die beste Nahrung für das Baby, aber Fläschchenmütter sind genauso gute Mütter. Das Stillen fördert die Mutter-Kind-Bindung, ist aber nicht alleinig dafür verantwortlich. „Keine Frau ist verpflichtet zu stillen, wenn sie sich nach guter Information anders entschieden hat“, so der BDL.