Die Mandeloperation hat ihre Ballungszentren

Die regionale Ungleichheit in der Zahl der Mandeloperationen ist ein ungeklärtes Phänomen. (Foto: Tobias Arhelger / Fotolia)
Die regionale Ungleichheit in der Zahl der Mandeloperationen ist ein ungeklärtes Phänomen. (Foto: Tobias Arhelger / Fotolia)

(dbp/spo) In manchen Regionen Deutschlands werden bei Kindern und Jugendlichen deutlich häufiger die Mandeln herausgenommen als anderswo.

Es gibt regelrechte Ballungszentren. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Erhebung der Bertelsmann Stiftung (Faktencheck Gesundheit).

Der Faktencheck basiert auf Daten des Statistischen Bundesamts. Eines der Ergebnisse: Zwischen 2007 und 2010 wurden zum Beispiel 14 von 10.000 Kindern aus dem Landkreis Sonneberg in Thüringen an den Mandeln operiert, im nahen Schweinfurt dagegen 109 von 10.000, also fast achtmal so viele. Im europäischen Vergleich ist das dennoch keine Spitzenposition. Die hält Irland mit 118 pro 10.000.

Dass die Schweinfurter Kinder so deutlich öfter Mandelentzündungen haben als ihre Thüringer Altersgenossen, bezweifelt Dr. Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung. Die Gründe für die unterschiedlichen Zahlen liegen seinen Angaben zufolge eher in der unterschiedlichen Bewertung von Ärzten und Eltern, ob eine Entfernung der Gaumenmandeln sinnvoll ist. Schließlich gebe es in Deutschland keine verbindlichen Handlungsempfehlungen oder Leitlinien für die Mandeloperation – und das, obwohl der Eingriff die häufigste vollstationäre Operation im Kindes- und Jugendalter ist.

Die Gaumenmandeln werden vor allem dann entfernt, wenn sie sich sehr oft entzünden oder so groß sind, dass sie die Atemwege verengen. Laut Bertelsmann Stiftung spielte für die Operationshäufigkeit auch eine Rolle, ob es in der Region eine oder mehrere HNO-Kliniken gibt.