Die Leber leidet still

Eine vergrößerte Leber kann durch die Bauchdecke ertastet werden. (Foto: Klaus Eppele / Fotolia)
Eine vergrößerte Leber kann durch die Bauchdecke ertastet werden. (Foto: Klaus Eppele / Fotolia)

Weil selbst starke Organschäden kaum Symptome verursachen, ist Früherkennung so schwer

(dbp/auh) Lebererkrankungen sind sehr weit verbreitet und die Dunkelziffer ist groß, denn eine kranke Leber tut nicht weh. Mindestens fünf Millionen Deutsche haben nach Angaben der Deutschen Leberstiftung keine gesunde Leber mehr. Davon leiden etwa eine Million an einer chronischen Entzündung der Leber, verursacht von Hepatitis-B- oder -C-Viren. Eine nicht-alkoholische Fettleber haben nach Angaben des Ernährungswissenschaftlers Professor Nicolai Worm zwischen 20 und 40 Prozent der Bevölkerung in den Industrienationen.

Ganz gleich, ob Fettleber oder Hepatitis: Die meisten Patienten wissen gar nichts von ihrer Erkrankung. Das einzige Frühsymptom ist allgemeine Abgeschlagenheit und Müdigkeit, nur selten kommen Beschwerden im rechten Oberbauch hinzu. Damit geht aber kaum jemand zum Arzt. Das ist gefährlich, denn unentdeckt und somit unbehandelt können die Krankheiten fortschreiten, zu Leberzirrhose (Schrumpfleber) und letztlich zu Leberkrebs führen.

Leberkrebs ist selten

Der Leberkrebs, genauer: Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom), ist immer noch eine vergleichsweise seltene Tumorart in Deutschland, obwohl sich die Zahl der Neuerkrankungen seit Mitte der 1980er Jahre verdoppelt hat. Im Jahr 2008 bekamen 5.270 Männer und 2.340 Frauen die Diagnose „Leberkrebs“. Wird der Krebs erst nach dem Auftreten von Symptomen entdeckt, sind die Überlebenschancen denkbar gering. Die neue S3-Leitlinie „hepatozelluläres Karzinom“ fordert deshalb die Einführung einer Früherkennungsuntersuchung per Sonographie (Ultraschall) für Patienten, die bereits eine Leberschädigung haben: Fettleberhepatitis, chronische Hepatitis B oder Leberzirrhose. Etwa 90 Prozent aller Leberzellkarzinome entwickeln sich aus einer Leberzirrhose, aber auch ohne diese irreversible Leberschädigung haben Patienten mit einer chronischen Hepatitis-B-Virusinfektion oder einer nicht-alkoholischen Fettleberhepatitis bereits ein erhöhtes Leberkrebsrisiko.

Leberzeichen auf der Haut

Symptome einer bereits fortgeschrittenen Leberschädigung zeigen sich auf der Haut: die typische Gelbfärbung von Haut und Bindehaut, die „Lebersternchen“ (spinnennetzförmige Gefäßerweiterungen) und das sogenannte Palmarerythem, eine flächige Rötung der Handinnenseite. Spätestens beim Auftreten solcher Leberzeichen muss das Organ untersucht werden.

In der Regel wird zunächst der Wert des Leberenzyms Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT) im Blut gemessen. Ist der Wert erhöht, ist eine Leberzellschädigung wahrscheinlich. Darüber hinaus können zahlreiche weitere Blutwertbestimmungen Aufschluss geben über den Gesundheitszustand der Leber. Auch eine Ultraschalluntersuchung gehört zu den Standards der Diagnostik. Eine Gewebeprobe (Leberbiopsie) wird gemacht, um das Stadium der Lebererkrankung und ihre Ursache zu ermitteln.

Die gute Nachricht: Anders als die Haut, die nichts vergisst, ist die Leber überhaupt nicht nachtragend. Sie wächst sogar nach, wenn ein Teil von ihr (bis zu 80 Prozent!) operativ entfernt werden muss. Vorausgesetzt, die Schädigung hat noch nicht das Stadium der Leberzirrhose erreicht, kann sich eine Fettleber wieder vollständig und ungewöhnlich schnell erholen. Die Hepatitis C ist mit neuen anti-viralen Medikamenten sogar heilbar, die Hepatitis B kann zumindest medikamentös kontrolliert werden.

  • „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung ist soeben in der 2. Auflage in der Schlüterschen Verlagsanstalt erschienen.