Die Krankheit mit den vielen Gesichtern

Auch Dinkel ist als enger Verwandter des heutigen Weizens für Zöliakiepatienten tabu. (Foto: womue / Fotolia)
Auch Dinkel ist als enger Verwandter des heutigen Weizens für Zöliakiepatienten tabu. (Foto: womue / Fotolia)

Bei Zöliakie ähnelt kaum ein Krankheitsfall dem anderen.

(dbp/fru) Mit bundesweit etwa 400.000 Betroffenen gehören auch Zöliakie-Patienten zu den Menschen, die an einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden, genauer gesagt, an einer Glutenunverträglichkeit. Wie die Deutsche Zöliakie Gesellschaft mitteilt, löst diese chronische Autoimmunerkrankung des Dünndarms bei Aufnahme gewisser Lebensmittel eine Entzündung im Dünndarm aus sowie eine Rückbildung der Dünndarmzotten. Dadurch können Nährstoffe nicht mehr in ausreichender Menge aufgenommen werden.

In der Folge kommt es zu Mangelerscheinungen, die sich wiederum von Fall zu Fall anhand vielfältiger Symptome zeigen können. Dazu gehören zum Beispiel Wachstumsstörungen, Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfälle, Müdigkeit, Nierenerkrankungen oder Depressionen. Aufgrund der zahlreichen und unterschiedlichen Symptome kann es Jahre dauern, bis die Krankheit zweifelsfrei diagnostiziert wird. Deshalb bezeichnen Mediziner Zöliakie auch als „Chamäleon unter den Krankheiten“.

Der Facharzt kann helfen

Wenn man bei sich Zöliakie-Symptome feststellt, sollte man einen Facharzt aufsuchen, der dann die nötigen Untersuchungen durchführen kann, um eine Glutenunverträglichkeit zu bestätigen oder auszuschließen. Dazu gehört vor allem ein Bluttest zur Bestimmung gewisser Antikörper in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie, bei der Gewebe aus dem Dünndarm entnommen und genauer untersucht wird.

Falls sich der Verdacht auf Zöliakie erhärtet, gibt es nur eine einzige Therapie, nämlich lebenslangen Verzicht auf das Klebereiweiß Gluten. Dieses ist in den Getreidesorten Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste enthalten. Dagegen erlaubt sind glutenfreie Produkte und Mehle aus Mais, Hirse, Buchweizen, Reis, Soja, Quinoa, Amaranth und Kichererbsen. Am besten wählt man Produkte, die mit dem Zeichen einer durchgestrichenen Ähre oder dem Zusatz „glutenfrei“ gekennzeichnet sind.

Einschränkungen im Alltag meistern

Es bedarf ein wenig Übung und auch Wissen, um mit der Krankheit im Alltag gut klar zu kommen. Während man es im privaten Haushalt noch relativ einfach vermeiden kann, das Klebereiweiß zu sich zu nehmen, sieht es bei Mahlzeiten im Hotel, bei Freunden oder auf Flügen schon ganz anders aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt einige Tipps, um glutenfrei durch den Alltag zu kommen. Danach sollte man beim Einkauf immer auf das Etikett schauen und die Zutatenliste lesen. Insbesondere bei Fertiggerichten aller Art, Wurstwaren und Süßigkeiten ist Vorsicht geboten. Suppen und Soßen könne man beispielsweise mit Johannisbrotkernmehl, Kartoffel- Reisstärke oder Maisstärke binden. Für die Pausen an der Arbeit sollte man sich lieber Verpflegung von zu Hause mitnehmen, wenn man nicht sicher ist, ob in der Kantine glutenfreies Essen serviert wird. Und bei Einladungen zu Geburtstagen und Partys sollte man mit dem Gastgeber vorab die besondere Ernährungssituation besprechen.

Sogar in der Kirche muss man aufpassen, denn in der Regel enthalten die Hostien bei der Kommunion bzw. beim Abendmahl Gluten. In der katholischen Kirche gibt es für Zöliakie-Betroffene aber Ausnahmeregelungen, die es Gläubigen erlauben, mit glutenfreien Hostien an der Kommunion teilzunehmen. Auch in der evangelischen Kirche werden gesundheitliche Einschränkungen beim Abendmahl berücksichtigt. Hier können Zöliakie-Betroffene beispielsweise mit glutenfreiem Brot am Abendmahl teilnehmen.