„Die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“

Physiotherapie kann dazu beitragen, bei Multipler Sklerose Gangstörungen zu mindern. (Foto: Fotolia / Robert Kneschke)
Physiotherapie kann dazu beitragen, bei Multipler Sklerose Gangstörungen zu mindern. (Foto: Fotolia / Robert Kneschke)

Multiple Sklerose verläuft von Patient zu Patient unterschiedlich.

(dbp/spo/fru) Bei Multipler Sklerose (kurz MS) handelt es sich um eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung des zentralen Nervensystems. Es können also das gesamte Gehirn und auch das Rückenmark betroffen sein. „In Deutschland leben nach neuen Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 200.000 MS-Erkrankte. Jährlich werden ca. 2.500 Menschen neu mit MS diagnostiziert“, teilt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit. Die ersten Symptome treten teilweise schon bei jungen Erwachsenen auf. MS ist bislang nicht heilbar, kann aber mit der richtigen Therapie abgemildert werden.

Entzündungen treten häufig in Schüben auf

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft erklärt, was bei einer MS-Erkrankung im Körper passiert: Von der „Schaltzentrale“ im Gehirn werden über das Rückenmark und die Nervenfasern Impulse ausgesandt oder empfangen. Die Nerven wiederum sind – ähnlich einer Kabelisolierung – mit einer Schutzschicht, der so genannten Mark- oder Myelinscheide umgeben. Bildet sich im Bereich des Myelins eine Entzündung, können die Nervenimpulse schlechter weitergeleitet werden. Dies führt zu Symptomen wie Kribbeln in den Beinen („Ameisenkribbeln“), Bewegungs- und Sehstörungen oder gar Lähmungserscheinungen – typische Merkmale der Multiplen Sklerose. Andere Merkmale sind Müdigkeit (sogenannte Fatigue), depressive Stimmungen, Konzentrationsstörungen, Probleme mit der Blase, Sprachstörungen oder Gesichtsschmerzen.

Die Entzündungen treten bei 80 Prozent der Erkrankten in Schüben auf, die mindestens einen Tag andauern und in bestimmten Abständen wiederkehren (schubförmig-remittierend). Innerhalb von sechs bis acht Wochen danach klingen die Symptome wieder ab. Teils verschwindet die Entzündung ganz, teils bleibt vernarbtes (sklerosiertes) Nervengewebe zurück. Bei etwa einem Drittel der Patienten kann letzteres über die Jahre hinweg zu schweren Behinderungen führen. Wer hingegen eine leichte MS hat, merkt im Alltag normalerweise kaum etwas davon. Allgemeingültige Vorhersagen über Verlauf und Beschwerden sind bei Multipler Sklerose nicht möglich, denn die Krankheit verläuft bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Deshalb wird MS auch „die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“ genannt.

Schubtherapie und immunprophylaktische Therapie

Ohne Behandlung ändert die Krankheit nach etwa zehn Jahren ihren Verlauf oft von schubförmig-zurückgehend in chronisch-fortschreitend. Die Symptome nehmen dann kontinuierlich zu und die Beschwerden werden schlimmer. In der Therapie der Multiplen Sklerose können daher zwei „Therapiesäulen“ unterschieden werden, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): „Zum einen die „Schubtherapie“ und zum anderen die vorbeugende „immunprophylaktische Therapie“.  Die Schubtherapie behandelt den akuten Schub. Durch die „immunprophylaktische Therapie“ wird sowohl die Anzahl als auch die Schwere von Schüben reduziert. Sie hat zum Ziel, eine mögliche spätere Behinderung zu verhindern bzw. zu verzögern. Aus diesem Grund wird die Therapie heutzutage auch möglichst früh begonnen.“

Bei akuten Schüben können entzündungshemmende Medikamente, aber auch Krankengymnastik (Physiotherapie), Ergotherapie oder Logopädie (Sprachtherapie) Linderung bringen. Zur Vorbeugung von Schüben unterscheidet man verschiedene Therapiestufen, je nach Verlaufsform der MS, für die unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten in Frage kommen. Über mögliche Wirkstoffe kann am besten ein Neurologe aufklären.

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