Die konventionelle Medizin erweitern

Die Misteltherapie kann die Lebensqualität von Patienten während einer Chemotherapie verbessern. (Foto: arybickii / Fotolia)
Die Misteltherapie kann die Lebensqualität von Patienten während einer Chemotherapie verbessern. (Foto: arybickii / Fotolia)

Anthroposophische Medizin versteht sich als Ergänzung zur Schulmedizin.

(dbp/fru) Der kranke Mensch ist viel mehr als die Summe seiner Krankheitssymptome. Davon geht die Anthroposophische Medizin aus. Erst das Zusammenspiel von Körper, Seele und Geist machen demnach das Individuum aus. „Grundsätzlich geht die Anthroposophische Medizin davon aus, dass Krankheiten keine zufällig auftretenden Fehlfunktionen sind. Vielmehr werden Krankheiten als Prozesse verstanden, die als körperliche oder seelische Störung oder Veränderung auftreten, wenn die Wechselbeziehungen zwischen Körper, Geist und Seele eines Patienten nicht mehr harmonisch ineinandergreifen“, heißt es auf den Internetseiten des Dachverbands Anthroposophische Medizin (DAMID).

Für alle Krankheitsbilder geeignet

Die Anthroposophische Medizin geht auf Rudolf Steiner (1861-1925) zurück und wurde von ihm gemeinsam mit der Ärztin Ita Wegman (1876-1943) in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt. Sie ist in Deutschland sowohl in Arztpraxen als auch in Akutkrankenhäusern und Reha-Kliniken sowie als Pflegeeinrichtungen vertreten. Laut DAMID ist die Anthroposophische Medizin seit 1976 im Arzneimittelgesetz als medizinische Richtung gesetzlich verankert und im fünften Sozialgesetzbuch als „besondere Therapierichtung“ anerkannt.

Anthroposophische Medizin sei zur Behandlung aller (auch chronischer) Krankheitsbilder geeignet, erklärt der DAMID. Hierfür stehen z. B. anthroposophische Arzneimittel zur Verfügung, die nach homöopathischen oder nach einem besonderen anthroposophischen Zubereitungsverfahren hergestellt werden. Ein bekanntes Verfahren ist hier die Misteltherapie in der Krebsbehandlung, die mittels Injektion verabreicht wird. „Es gibt Hinweise darauf, dass die Misteltherapie die Lebensqualität von Patienten während einer Chemotherapie verbessern kann. Sieben von 14 Studien zeigen auch verbesserte Überlebenschancen“, heißt es auf den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Dennoch lasse sich die Frage nach der Wirksamkeit nicht zweifelsfrei beantworten, weshalb diese Therapie auch nicht in den aktuellen Krebsbehandlungsleitlinien vorkommt. In der anthroposophischen Medizin kommen auch Therapieformen wie Kunsttherapie, Heileurythmie, Rhythmische Massage oder Ölbadetherapie zum Einsatz. Und schließlich macht man sich die Erkenntnisse aus der Anthroposophie auch in der Pflege und in der Psychotherapie zunutze.