Die Kniebeuge kehrt zurück

Die Kettlebell (Rundhantel) ist ein beliebtes Hilfsmittel beim Functional Training. (Foto: Lunamarina/Fotolia)
Die Kettlebell (Rundhantel) ist ein beliebtes Hilfsmittel beim Functional Training. (Foto: Lunamarina/Fotolia)

Functional Training: klassische Kraft- und Koordinationsübungen im Fitnessstudio

(dbp/spo) Liegestütz, Kniebeuge, Ausfallschritt, schweißtreibende Übungen mit Sandsack und Medizinball: Was sich anhört, wie ein Fitnessprogramm aus Turnvater Jahns Zeiten, nennt sich heute Functional Training – ein Konzept, das inzwischen die Fitnessstudios erobert hat.

Functional Training unterscheidet sich deutlich vom klassischen Gerätetraining. Bei Letzterem werden einzelne Muskeln isoliert gestärkt. Die Geräte sorgen dabei für sicheren Halt und starre Bewegungsmuster. Das lässt die Muskeln zwar wachsen, trainiert sie aber nur einseitig. Sprich: Die Hantelbank hilft dem Sportler, schwere Dinge zu wuchten, lässt ihn aber zum Beispiel beim Balancieren auf rutschigem Untergrund alt aussehen.

Muskeln arbeiten in Teams

Ziel des Functional Trainings ist es hingegen, den Körper in all seinen motorischen Grundeigenschaften fit zu machen: Sowohl in Kraft und Ausdauer, als auch in Koordination, Beweglichkeit und Schnelligkeit. Das bedeutet, dass nicht nur einzelne Muskeln, sondern ganze Muskelgruppen gefordert werden müssen. Je besser sie im Team zusammenarbeiten, desto ökonomischer und – mit Blick auf das Verletzungsrisiko – desto sicherer werden die Bewegungen. „Functional Training bereitet Ihren Körper auf die Wirklichkeit vor, (…) darauf, die Lasten des Alltags und des Sports besser zu verkraften“, schreiben Björn Kafka und Olaf Jenewein in ihrem Buch „Functional Training“ und prophezeien: „Jeder, der zwei Beine hat und bis drei zählen kann, profitiert von dieser Form des Trainings.“

In der Praxis besteht Functional Training überwiegend aus Klassiker-Übungen im Stehen – etwa Kniebeugen und Ausfallschritte für die Beinmuskulatur oder Zieh- und Stoßbewegungen für den Oberkörper. Als Hilfsmittel dienen Bälle, Schlingen, die sogenannte Kettlebell (Kugelhantel, Rundgewicht) oder kleine Sandsäcke.

Der Sportler wird bei den Bewegungen nicht von großen Geräten unterstützt, sondern soll sein Körpergewicht in verschiedenen Stellungen selbst halten und stabilisieren. Die Trainingsintensität wird gesteigert, indem die Übungen zum Beispiel statt im hüftbreiten Stand im Ausfallschritt, auf einem Bein oder auf einer wackelnden Platte ausgeführt werden.

Starker Rumpf, starke Haltung

Das stärkt die tief liegenden Muskeln im Rumpf – und sie sind es, die für eine gute Haltung und Balance gebraucht werden. Vom Fokus auf den Rumpf, den „Körperkern“ (englisch: Core), leitet sich auch der Begriff Core-Workout ab, ein wichtiger Teil des Functional Trainings.

Bekannt geworden ist das Core-Workout in Deutschland vor allem durch den Amerikaner Mark Verstegen, den Ex-Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 nach Deutschland holte, um die Mannschaft fit zu machen. Damals wurde das Trainingskonzept teilweise noch als „Gummitwist-Übung“ verhöhnt, inzwischen hat es sich allerdings etabliert – und das nicht nur im Leistungssport.

Die Ursprünge des Functional Trainings liegen übrigens sowohl in der Physiotherapie, als auch beim Militär. Die Kettlebells waren zum Beispiel einmal Kanonenkugeln mit angeschweißten Griffen. Heute gibt es sie in verschiedenen Gewichtsklassen, mit oder ohne Gummiboden und in peppigen Farben.