Die Intensivstation zu Hause

Nicht nur Kinder finden es zu Hause schöner als in der Klinik, wenn sie intensivmedizinisch betreut werden müssen. (Foto: Dron / Fotolia)
Nicht nur Kinder finden es zu Hause schöner als in der Klinik, wenn sie intensivmedizinisch betreut werden müssen. (Foto: Dron / Fotolia)

Häusliche Intensivpflege ermöglicht Patienten mehr Freiraum und Selbstständigkeit.

(dbp/nas) Beim Stichwort „Intensivpflege“ dürften die meisten Menschen zuallererst an eine Intensivstation im Krankenhaus denken. Schwerstkranke Patienten, die rund um die Uhr von medizinischen Apparaten abhängig sind, können aber auch in ihrem eigenen Zuhause betreut werden – vorausgesetzt, sie befinden sich nicht in einer akut kritischen Situation, die einen Krankenhausaufenthalt erfordert.

Es gibt Pflegedienste, die auf diese so genannte „häusliche Intensivpflege“ spezialisiert sind. Das stellt ganz besondere Anforderungen ans Pflegepersonal, ermöglicht den Patienten aber auch ein Höchstmaß an individueller Freiheit.

Krankheitsbilder sind unterschiedlich

Unfallopfer, Patienten mit Lungenerkrankungen oder nach Schlaganfällen, Frühgeborene und Kinder, die an angeborenen Defekten leiden, Menschen im Wachkoma und mit einer Querschnittlähmung: „Die Patienten, die wir betreuen, haben ganz unterschiedliche Grunderkrankungen“, erklärt die Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin Anja Huff. Sie ist stellvertretende Pflegedienstleiterin für die Region Aachen bei einem spezialisierten Intensiv-Pflegedienst.

Allen ihren Patienten sei gemein, dass ihre Situation eine Behandlungspflege erfordert. Darunter versteht man krankheitsspezifische Maßnahmen, die vom Arzt verordnet und deren Kosten von der Krankenkasse getragen werden. Für Leistungen der Grundpflege hingegen – Hilfestellungen bei der Körperpflege, der Ernährung und der Mobilität – ist die Pflegeversicherung zuständig. Wie genau die Finanzierung einer häuslichen Intensivpflege aussieht und ob eine Zuzahlung nötig ist, darüber beraten die Pflegedienste im Einzelfall.

Manche benötigen die Intensivpflege nur für eine bestimmte Zeit, andere ihr ganzes Leben lang und für einige Patienten bedeutet es eine Palliativversorgung, die sie in ihrem Sterben begleitet. Die Zielsetzung sei aber immer, jedem Patienten die bestmögliche Lebensqualität zu bieten – abhängig von dessen Zustand, Alter, Umfeld und ganz persönlichen Ressourcen, so Anja Huff. Dazu kann auch gehören, mit einem Patienten ins Café oder einkaufen zu gehen oder auch in den Urlaub zu fahren.

Patienten müssen rund um die Uhr überwacht werden

Den Unterschied zur normalen häuslichen Pflege macht die sogenannte Überwachungspflicht: Alle jeweils wichtigen Vitalparameter und die Atmung der Patienten müssen rund um die Uhr überwacht werden, wobei viele künstlich beatmet werden. Häusliche Intensivpflege kann nur von examinierten Fachpflegekräften – Kranken- und Fachkranken- sowie Altenpflegern – durchgeführt werden. Insbesondere was die Bedienung von Beatmungsgeräten und anderen medizinischen Apparaten angeht, muss das Personal speziell geschult werden, erläutert Anja Huff.

Es tut gut, im eigenen Zuhause leben zu können. „Wir merken immer wieder, wie ein Patient „auftaut“, wenn er in seiner vertrauten Umgebung ist“, sagt die Fachkrankenschwester. Die Vertrautheit spielt auch in Bezug auf das Pflegepersonal eine wichtige Rolle; deshalb hat jeder Patient sein eigenes Team. Auf jemanden, den er kennt, könne er viel besser reagieren. Und umgekehrt ist auch für jeden Pflegenden die Arbeit umso leichter, je mehr er wiederum von seinem Patienten weiß – gerade bei Menschen, die sich nicht durch eine direkte sprachliche Kommunikation verständlich machen können.