Die heimliche Volkskrankheit Fettleber

Werden zu viele Kohlenhydrate gegessen oder getrunken, landen diese als Fett in der Leber. (Foto: Foxy_A / Fotolia)
Werden zu viele Kohlenhydrate gegessen oder getrunken, landen diese als Fett in der Leber. (Foto: Foxy_A / Fotolia)

Massenhaft verbreitet und fatal für die Gesundheit: zu viel sitzen und zu viel essen

(dbp/auh) Der bekannteste Auslöser für eine Verfettung der Leberzellen ist übermäßiger Alkoholkonsum. Heutzutage viel häufiger aber ist die nicht-alkoholische Fettleber (NAFL), die ähnlich entsteht wie die Gänsestopfleber: durch die Zufuhr von übermäßig vielen Kohlenhydraten. Die Gänse bekommen Mastfutter, das fast ausschließlich aus Mais besteht und dürfen sich kaum bewegen. Bewegungsmangel und kohlenhydratbetonte Überernährung führen auch beim Menschen dazu, dass sich überschüssiges Fett in der Leber sammelt. „Menschenstopfleber“ hat der Ernährungswissenschaftler Professor Nicolai Worm deshalb sein neues Buch über die Fettleber genannt.

Teufelskreis: Diabetes – Fettleber – Diabetes

Dass es sich bei der Fettleber um eine Volkskrankheit handelt, darüber herrscht Einigkeit. Von mehr als zehn Millionen Patienten berichtete der Berufsverband Deutscher Internisten bereits im Jahr 2007. Insulinresistenz und Diabetes wurden als Hauptverursacher für die NAFL genannt. Dass aber umgekehrt die Fettleber zu Diabetes führen kann, ist eine jüngere Erkenntnis. Erst im Jahr 2010 gelang es einer Forschergruppe um den Tübinger Mediziner Professor Norbert Stefan nachzuweisen, dass Fettleberpatienten ein um 75 Prozent erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes haben, außerdem ein 3,3-fach erhöhtes Herzinfarkt- und ein 3,8-fach erhöhtes Schlaganfallrisiko.

Bewegungsmangel führt zu Insulinresistenz

Trotz dieses tödlichen Risikos werde die nicht-alkoholische Fettleber verharmlost, findet Professor Worm. Dabei sei sie bei einigen Risikogruppen geradezu epidemisch verbreitet: 40 Prozent der übergewichtigen Kinder, 70 Prozent der übergewichtigen Erwachsenen und bis zu 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker seien betroffen. Und 15 Prozent der schlanken Menschen. Worm erklärt, woher das kommt: Die kohlenhydratbetonte Ernährung, die in Industrienationen üblich ist, war früher kein Problem, als die Menschen noch viel zu Fuß liefen und körperlich hart arbeiten mussten. Doch Bewegungsmangel und sogar nur leichtes Übergewicht führen laut Worm rasch zu einer Insulinresistenz. Und schon eine leichte Insulinresistenz genüge, damit überschüssige Kohlenhydrate als Fett in der Leber landen.

Besser wäre: weniger essen, weniger wiegen

Das Hauptübel ist also die heutzutage vorherrschende körperliche Inaktivität. Worm erläutert ausführlich und immer mit dem Hinweis auf aktuelle internationale Studienergebnisse, wie sich die fatale Kombination aus Bewegungsmangel und hochkalorischer, kohlenhydratreicher Ernährung auf den Organismus auswirkt. Das tut er derart anschaulich, das jedem Leser, der nicht Bauarbeiter oder Leistungssportler ist, der Appetit auf belegte Brötchen, Pommes und Süßigkeiten vollständig vergeht.

Worm: „Das Fazit ist wahrscheinlich für viele ernüchternd, aber gleichzeitig liegt darin eine große Chance: Wer nicht mehr ganz jung und nicht mehr ganz schlank und mit hoher Wahrscheinlichkeit schon mehr oder weniger insulinresistent ist und die Ausbildung einer „Stopfleber“ mit all ihren gefährlichen Folgen vermeiden will, der muss sich lecker Pane, Pasta, Patate, Pizza oder Polenta vorher zunächst mit Muskelarbeit verdienen!“

  •  Nicolai Worm: Menschenstopfleber. Systemed-Verlag Lünen 2013