Die Gene bestimmen, ob Antidepressiva wirken

In Deutschland leiden vier Millionen Menschen an Depressionen. (Foto: Bilderbox)
In Deutschland leiden vier Millionen Menschen an Depressionen. (Foto: Bilderbox)

(dbp/spo) Ob ein Antidepressivum einem depressiven Menschen hilft oder nicht, liegt offenbar an der genetischen Veranlagung.

Das haben Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universitätsmedizin Mainz herausgefunden.

Die Wirkung von Antidepressiva ist bislang schwer vorherzusagen: Bei den einen wirken sie sehr gut, bei den anderen gar nicht; bei manchen wirken auch nur bestimmte Präparate. Eine Ursache dafür liegt im Bildungsmechanismus des Wachstumsproteins „Brain-derived-neutrophic-factor“, kurz BDNF. Die BDNF-Konzentration im Blut von Depressiven ist niedriger als bei Gesunden. Bei jenen Patienten, denen ein Antidepressivum hilft, steigt die BDNF-Zahl einige Zeit nach der Medikamenteneinnahme an, bei den anderen nicht.

Eine Methylgruppe als Schlüssel

Als die Wissenschaftler das für die Bildung von BDNF zuständige Gen untersuchten, kam heraus: Bei einigen Patienten hing an besagtem Genabschnitt noch eine Methylgruppe an – und genau sie sorgte dafür, dass die BDNF-Konzentration ansteigen konnte. „Dies ist der erste epigenetische Marker, mit dem das Ansprechen auf eine Therapie mit Antidepressiva vorhergesagt werden konnte“, sagt Privatdozent Dr. André Tadic, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz. Stellt sich in weiteren Tests heraus, dass hier tatsächlich ein zuverlässiger Marker gefunden wurde, könnte das Ansprechen auf eine Medikamententherapie künftig per Bluttest vorab geprüft werden.