Die Funktionsdiagnostik beim Kieferorthopäden

Im sogenannten Artikulator werden Gipsmodelle der Zahnreihen des Patienten montiert. Damit kann man den Funktionszustand und sogar geplante Veränderungen im Aufbiss simulieren. (Foto: Fotolia / StudioLaMagica)
Im sogenannten Artikulator werden Gipsmodelle der Zahnreihen des Patienten montiert. Damit kann man den Funktionszustand und sogar geplante Veränderungen im Aufbiss simulieren. (Foto: Fotolia / StudioLaMagica)

Eine Fehlfunktion des Kauorgans kann vielfältige Beschwerden verursachen.

(dbp/abz) Das menschliche Kauorgan ist ein hochsensibles und komplexes System. Schon kleine Veränderungen, wie zum Beispiel eine schlecht sitzende Zahnfüllung, können ungeahnte Auswirkungen auf den Körper haben. Schulter- und Beckenschiefstand, Muskelverkürzungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel, Tinnitus und Zähneknirschen – Auslöser dafür kann eine Funktionsstörung des Kauorgans, also der Zähne, der Kaumuskeln, des Kiefers oder des Kiefergelenks sein. Der Fachbegriff für diese Erkrankung lautet „Craniomandibuläre Dysfunktion“, wörtlich übersetzt eine Störung im Schädel- und Kieferbereich, kurz als “CMD-Syndrom“ bezeichnet.

Solche Störungen aufzuspüren ist die Aufgabe der zahnärztlichen Funktionsdiagnostik. Der Name ist dabei Programm: „Es geht darum, den Funktionszustand des Kauorgans zu überprüfen“, erklärt Professor Ulrich Lotzmann, Direktor der Abteilung für Orofaziale Prothetik und Funktionslehre an der Universitätszahnklinik Marburg.

Diagnostik mit Hand und Computer

Die Funktionsdiagnostik ist zunächst einmal eine einfache Untersuchung. Der Patient muss zum Beispiel den Unterkiefer in verschiedene Richtungen bewegen. Dabei übt der Arzt zusätzlich Druck auf den Kiefer und das Kiefergelenk aus. Beim Aufeinanderpressen der Zähne wird erkennbar, inwieweit der Patient Muskelkraft aufbauen und aufrechterhalten kann. So überprüft der Zahnarzt, ob Schmerzen auftreten und ob Einschränkungen oder eine Überbeweglichkeit bestehen. „Der manuelle Kurztest dauert nur ein paar Minuten und verrät schon viel über den Funktionszustand des Kauorgans“, sagt Professor Lotzmann. Gibt es Hinweise auf Probleme, folgen weitere manuelle Untersuchungen und gegebenenfalls der Einsatz bildgebender Verfahren wie Röntgen oder die Kernspintomografie.

Eine genaue Darstellung der Bissverhältnisse kann gegebenenfalls ein „Artikulator“ – ein mechanischer Kau- und Gelenksimulator – liefern. Darin werden Gipsmodelle der Zahnreihen des Patienten montiert, wie Professor Lotzmann erläutert. Auf diesem Weg ist es sogar möglich, geplante Veränderungen im Aufbiss zu simulieren. Das technische Spektrum in der Funktionsanalyse reicht bis hin zu computergestützten Registrierverfahren, die die Bewegungsbahnen des Unterkiefers, die Aktivität der Kaumuskulatur und mögliche Gelenkgeräusche dokumentieren.

Muskulär bedingte Schmerzsymptome am häufigsten

Die häufigsten Funktionsstörungen sind Professor Lotzmann zufolge Muskelprobleme, ausgelöst durch eine Fehlbelastung beziehungsweise Überlastung einzelner Muskeln im Kiefer. Dabei können bereits Selbsthilfemaßnahmen – vor allem Entspannungstechniken – helfen, die Symptome zu lindern. Besteht der Verdacht, dass nicht oder nicht nur zahnmedizinische Ursachen für die Beschwerden des Patienten verantwortlich sind, werden auch Experten anderer Fachrichtungen eingebunden.

Sind zahnmedizinische Behandlungen nötig, werden sie in der Regel durch eine Physiotherapie oder Biofeedback ergänzt. „Patienten, die so behandelt werden, sind schneller wieder beschwerdefrei“, sagt Professor Lotzmann. Oft schließt sich der Funktionsdiagnostik die Behandlung mit Zahnersatz zur Korrektur von Fehlfunktionen an, aber auch im Rahmen  einer prothetischen Behandlung ohne vorherige Beschwerdesymptomatik ist die Funktionsanalyse eine wichtige Voraussetzung zur Erzielung eines ästhetisch wie funktionell hochwertigen Ergebnisses.

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