Dicke Luft am Arbeitsplatz

Das Bäckerasthma ist wahrscheinlich die älteste allergische Atemwegserkrankung. (Foto: leno2010 / Fotolia)
Das Bäckerasthma ist wahrscheinlich die älteste allergische Atemwegserkrankung. (Foto: leno2010 / Fotolia)

Mit der Schadstoffbelastung steigt das Risiko berufsbedingter Lungenerkrankungen

(dbp/wgt) Ob Dämpfe, Gase oder Stäube – für viele Arbeitnehmer gehören Schadstoffe in der Luft zum Berufsalltag. Nicht selten haben die ständigen Belastungen chronische Erkrankungen der Bronchien und der Lunge zur Folge, die ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben erforderlich machen.

Fünf bis zehn Prozent aller Erkrankungen der Lunge und der Atemwege können nach Angaben der Deutschen Lungenstiftung ganz oder teilweise auf schädliche Einflüsse am Arbeitsplatz zurückgeführt werden. Zwar sind Industriearbeiter von den krank machenden Belastungen am häufigsten betroffen. Aber auch viele andere Berufsgruppen tragen ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen.

Mehlstauballergien und die damit verbundenen Asthmaanfälle haben schon viele Bäcker zu einem Berufswechsel gezwungen. Landwirte entwickeln Allergien gegen Schimmelpilze in Heu und Getreide, Tischler gegen Holzstaub. Reinigungskräfte leiden unter den Ausdünstungen von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.

Häufigste Diagnose: Asthma

An der Spitze der beruflich bedingten Lungenerkrankungen steht Asthma. Neben Mehl-, Holz- und Tierstäuben gehören Isozyanate, die in Farben oder bei der Herstellung von Kunststoffen, Klebern und Härtern Verwendung finden, zu den wichtigsten Auslösern asthmatischer Reaktionen.

Bei der allergischen Alveolitis sind im Unterschied zum Asthma nicht die Bronchien betroffen, sondern die Lungenbläschen. Auslöser sind meist organische Stäube in der Landwirtschaft, bei der Vogelzucht sowie infolge schlecht gewarteter Klimaanlagen. Eine länger andauernde Belastung führt häufig zur Lungenfibrose, einer Versteifung des Lungengewebes.

Pneumokoniosen sind landläufig besser bekannt als Staublunge. Als klassische Staublunge gilt die Silikose. Sie entsteht, wenn sich Quarzstaub im Lungengewebe ablagert und zählt zu den typischen Krankheiten der Bergleute. Aber auch Beschäftigte in Gießereien und der Keramikindustrie sind hohen Quarzstaubbelastungen ausgesetzt. Zu den Pneumokoniosen gehört auch die so genannte Asbestose. Sie wird durch das Einatmen von Asbestfasern hervorgerufen, die zu einer Versteifung des Lungengewebes (Fibrose) führen.

Krebsrisiko durch Asbestfasern

Wegen seiner Hitze- und Säurebeständigkeit galt Asbest lange Zeit als „Wunderfaser“ und fand bis zu seinem Verbot 1993 breite Verwendung in der Bau- und Werftindustrie, bei der Wärmedämmung und bei der Herstellung von Arbeitsschutzkleidung. Einmal in der Lunge eingelagert, können die Fasern das Risiko für Lungenkrebs deutlich erhöhen. Asbestfasern gelten auch als Auslöser des sogenannten Pleuramesothelioms, eines meist tödlich verlaufenden Krebses des Rippenfells. Schon der kurzfristige Kontakt mit Asbest kann laut European Lung Foundation (ELF) ein Mesotheliom verursachen. Es tritt jedoch meist erst 15 bis 50 Jahre nach Einatmen der Fasern auf.

Um unnötige Schadstoffbelastungen am Arbeitsplatz zu vermeiden, hilft oft nur das Verbot gefährlicher Stoffe oder die Einhaltung strenger Schutzvorkehrungen. Bei allergischen Reaktionen auf bestimmte Stoffe liegt nach Ansicht der ELF „die beste Behandlung darin, sich der Belastung durch die auslösende Substanz nicht länger auszusetzen“.

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Coroneo, Sabrina (2010): Berufsbedingte Atemwegserkrankungen: Studie zur Prävalenz, Diagnostik bis hin zur Erfassung von Expositionsprofilen und Risikoberufen. Saarbrücken: Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes. Online: http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2011/4403/pdf/Dissertation_Sabrina_Coroneo.pdf; Deutsche Lungenstiftung (2008): Lungen- und Atemwegserkrankungen durch Arbeitseinflüsse. Online: http://lungenstiftung.de/index.php?id=35; European Lung Foundation: Faktenblatt Berufsbedingte Lungenerkrankungen. Online: http://www.de.european-lung-foundation.org/18232-work-related-lung-conditions.htm; Vogt, Peter/Rüegger, Martin (2002): Berufsbedingte Krankheiten der Atemwege. Schweiz Med Forum, Nr. 27, S. 647-654; alle Informationen abgerufen im Juli 2013