Dicke Kinder haben es schwer

Übergewichtige Mädchen leiden viel stärker unter ihrem Gewichtsproblem als Jungen, sowohl psychisch als auch körperlich. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)
Übergewichtige Mädchen leiden viel stärker unter ihrem Gewichtsproblem als Jungen, sowohl psychisch als auch körperlich. (Foto: JPC-PROD / Fotolia)

Übergewicht ist bereits im Kindesalter ein Gesundheitsproblem, das nicht genug beachtet wird

(dbp/auh) Übergewichtige Kinder haben es schwer. Sie werden von ihren Mitschülern gehänselt und und ausgelacht. Als Folge dieser sozialen Ausgrenzung ziehen sie sich oft noch weiter zurück. Um sich dem Spott der Gleichaltrigen nicht auszusetzen, vermeiden sie es, Sport zu treiben. Ein Teufelskreis, denn Bewegungsmangel verschärft das Gewichtsproblem, das auch ein gravierendes Gesundheitsrisiko mit sich bringt – und das nicht erst für das spätere Leben.

Eine neue Studie von Ernährungswissenschaftlern der Unis Jena und Hohenheim belegt, dass Übergewicht bereits bei Fünf- bis Achtjährigen zu krankhaften Blutwerten führen kann. Ein Ergebnis der Untersuchung: Drei Viertel der übergewichtigen Kinder wiesen Symptome von gewichtsbedingten Stoffwechselstörungen auf. Die Forscher um Professorin Ina Bergheim von der Uni Jena folgern: Es gibt kaum gesunde dicke Kinder.

Bluthochdruck und Insulinresistenz

In der Studie wurden 100 übergewichtige und 51 normalgewichtige Grundschulkinder ohne bekannte Vorerkrankungen umfassend untersucht: Neben Größe und Gewicht haben die Forscher Blutdruck und verschiedene Laborparameter erfasst, darunter Blutzuckerwerte sowie den Cholesterol- und Triglycerid-Spiegel. Das Ergebnis: 73 Prozent der übergewichtigen Kinder zeigen mindestens in einem Stoffwechselparameter Auffälligkeiten, manche sogar in bis zu fünf. Dabei galten sie alle als gesund.

Vor allem Mädchen seien gefährdet, so die Wissenschaftlerin. Denn bei ihnen fangen die Probleme bereits früher an. Während für Jungen das Risiko für Stoffwechselstörungen erst mit starkem Übergewicht deutlich ansteigt, beginnt es für gleichaltrige Mädchen bereits im Grenzbereich von Normal- und Übergewicht.

Schule ist nicht gesund

Interessant: 16 Prozent der normalgewichtigen Kinder hatten ebenfalls auffällige Stoffwechselwerte, zum Beispiel Bluthochdruck und Insulinresistenz. Ina Bergheim führt das auf den Bewegungsmangel zurück, der mit dem Schulbeginn unweigerlich alle Kinder bedroht. In einer früheren Untersuchung hatte die Ernährungswissenschaftlerin bereits gezeigt, dass sich normal- und übergewichtige Kinder hauptsächlich in ihrem Bewegungs- und weniger in ihrem Ernährungsverhalten unterscheiden. „Mit dem Schuleintritt verändert sich für die meisten Kinder das Lebensumfeld sehr stark. Plötzlich sitzen sie sehr lange; sie bewegen sich weniger und das birgt Gefahren für die Gesundheit“, so die Professorin.

Für die Gesundheit von Kindern im Grundschulalter werde in Deutschland zu wenig getan, ist Ina Bergheim überzeugt, die selbst zwei Kinder hat. Bei den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen für Säuglinge und Kleinkinder gehe es hauptsächlich um die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder. Nach Hinweisen auf Stoffwechselerkrankungen werde in der Regel nicht gesucht.

Etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind übergewichtig, gut sechs Prozent davon gelten als adipös, leiden also unter starkem Übergewicht. Folgen können chronische Erkrankungen sein wie Typ-2-Diabetes und andere Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Herzkrankheiten.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat auf der folgenden Internetseite einen BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche zur Verfügung gestellt: www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/contentkin/bmi/.