Diabetes verändert das ganze Leben

„Zucker“ hat für Kinder mit Diabetes eine ganz besondere Bedeutung. (Foto: knipseline / Pixelio)
„Zucker“ hat für Kinder mit Diabetes eine ganz besondere Bedeutung. (Foto: knipseline / Pixelio)

Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes brauchen Mut und Kraft zum Durchhalten

(dbp/auh) Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Etwa 15.000 Kinder und Jugendliche unter 14 Jahre leiden an der „Zuckerkrankheit“ vom Typ 1, die sich weder mit Sport noch mit Diäten behandeln lässt. Die einzige Therapieform ist die lebenslange Gabe von Insulin. Das ist der für die Betroffenen wesentliche Unterschied zum Typ-2-Diabetes, der meist erst im höheren Alter auftritt.

Bei beiden Diabetes-Formen fehlt das Hormon Insulin, das bei Gesunden den Zucker im Blut abbaut. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu Schäden an sämtlichen Organen und Nerven führen. Die Ursachen sind allerdings grundverschieden. Beim „Alterszucker“ ist das Insulin nur „müde“ geworden und kann zum Teil auch ohne Medikamente, mit viel Sport und einer Umstellung der Ernährung, wieder aktiviert werden.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunkrankheit

Beim Typ-1-Diabetes geht das nicht. Es handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Aus Gründen, die noch keiner genau kennt, greift der Körper die eigenen Zellen an, in diesem Fall die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin herstellen. Nach Angaben der Stiftung „Dianino“ hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der betroffenen Kinder verdoppelt. „Besorgniserregend ist der rapide Anstieg bei Kindern unter fünf Jahren“, teilt die Stiftung auf ihrer Internetseite www.stiftung-dianino.de mit.

Die Diagnose kann Kinder, Jugendliche und auch junge Erwachsene treffen. Ganz gleich in welchem Alter: Die Krankheit verändert das ganze (Familien-)Leben. Ab sofort heißt es: Mehrmals täglich die Fingerkuppe einritzen, den Blutzucker messen, entsprechend viel Insulin spritzen: vor jeder Nahrungsaufnahme, vor dem Sport, bei Stress und auch bei Unwohlsein. Schließlich beeinflussen nicht nur Essen und Trinken den Blutzucker, sondern auch Emotionen und körperliche Aktivität. Hinzu kommen die hormonellen Achterbahnfahrten in der Pubertät, die einen gehörigen Einfluss haben den gesamten Stoffwechsel.

Genau so viel essen wie geplant

Die richtige Menge Insulin spritzen, die Kohlenhydratlast („Broteinheiten“) der nächsten Mahlzeit richtig einschätzen und dann auch genau so viel essen, wie geplant – das alles hört sich extrem kompliziert und umständlich an. Überraschenderweise kommen Kinder damit oft besser klar, als ihre Eltern oder das soziale Umfeld. „Die kleinen Patienten sind oft richtige Diabetes-Experten“, sagt Professor Burkhard Brosig, der sich an der Gießener Kinderklinik um die psychosoziale Betreuung von etwa 3.000 chronisch kranken Kindern kümmert. 500 davon leiden unter Typ-1-Diabetes.

Professor Brosig ist auch Vorsitzender des „Vereins für chronisch kranke Kinder“ (KroKi-Verein) in Gießen, der sich seit vier Jahren für die Interessen der Erkrankten einsetzt und sie in Krisenzeiten unterstützt. Kunsttherapie, Tanz und Pantomime gehören zu den Angeboten, mit denen die Patienten gestärkt werden, denn, so der Verein: „Wer als Kind chronisch krank ist, braucht Nehmerqualitäten, Langstreckenläufer-Ausdauer und Mut zum Durchhalten.“