Diabetes-Früherkennung: leichter mit dem IGeL-Test

Wer Verwandte ersten Grades mit Diabetes hat, gehört zur Gruppe der „Risikopatienten“ und sollte vorsorglich seinen Blutzucker messen lassen. (Foto: Trueffelpix / Fotolia)
Wer Verwandte ersten Grades mit Diabetes hat, gehört zur Gruppe der „Risikopatienten“ und sollte vorsorglich seinen Blutzucker messen lassen. (Foto: Trueffelpix / Fotolia)

Für Risikopatienten ist das Messen des HbA1c-Wertes eine gute Alternative zum Kassentest

(dbp/auh) Wenn es in Deutschland eine Krankheit gibt, die den Namen Volkskrankheit in jeder Hinsicht verdient, dann ist das der Diabetes mellitus. Experten rechnen mit etwa 7,6 Millionen Patienten, mehr als 90 Prozent davon leiden an Typ-2-Diabetes. Nach Angaben des Diabetesnetzwerks Rhein-Main-Mittelhessen sind in der Altersgruppe der 20- bis 79-Jährigen rund zwölf Prozent Diabetiker.

Der Diabetes zählt nicht nur zu den häufigsten, sondern auch zu den gefährlichsten Krankheiten, da die von ihm verursachten Durchblutungsstörungen zu Schäden in allen Blutgefäßen führen können. Drei Viertel aller Diabetiker sterben an Herzinfarkt oder Schlaganfall, so der Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2015.

Experten wie der Gießener Internist Dr. Michael Eckhard schätzen, dass man bei 60 bis 70 Prozent aller Diabetiker den Ausbruch der Krankheit verhindern könnte. Menschen mit einem hohen Diabetes-Risiko könnten durch bestimmte Veränderungen ihrer Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten dazu beitragen, dass die Krankheit gar nicht oder erst mit großer Verzögerung auftritt.

Wer sollte einen Diabetestest machen?

Menschen mit einem hohen Diabetes-Risiko sollten deshalb einen Blutzuckertest machen lassen. Um herauszufinden, ob man zur Risikogruppe gehört, kann man einen einfachen Fragebogen ausfüllen, zum Beispiel unter www.diabetes-risiko.de.

Welchen Test zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen alle zwei Jahre einen sogenannten „Check-up 35“ für Versicherte ab dem 36. Lebensjahr. Zu dieser Früherkennungsuntersuchung gehört auch ein Zuckertest. Dabei wird beim nüchternen Patienten die Glukosemenge im Blut gemessen. Das Ergebnis ist zwar lediglich eine Momentaufnahme, aber dieser Test sei immerhin „besser als nichts“, so Professor Dirk Müller-Wieland, Mediensprecher der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Bei Risikopatienten würde die DDG eher empfehlen, den HbA1c-Wert zu bestimmen. Eine offizielle Stellungnahme gebe es aber zurzeit noch nicht.

Welche Vorteile hat der HbA1c-Test?

Für den HbA1c-Test muss der Patient nicht nüchtern in die Praxis kommen. Es reicht eine einzige Blutprobe. Das HbA1c (Glykohämoglobin) ist der „glykosylierte“ Anteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin, der sich also untrennbar mit dem Zucker verbunden hat. Sein Wert gibt das durchschnittliche Blutzuckerniveau der vergangenen acht bis zwölf Wochen an, misst also nicht nur den Wert zum Zeitpunkt der Blutentnahme. Außerdem ist der Wert vergleichsweise unbestechlich. Von anderen Faktoren wie Stress, Krankheiten, Sport oder von der Ernährungssituation lässt er sich kaum beeinflussen.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen diesen Test aber nur bei bereits diagnostizierten Diabetikern zur Verlaufskontrolle. Zur Früherkennung ist der HbA1c-Test eine Individuelle Gesundheitsleistung, muss also privat bezahlt werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 16 Euro.