Deutlich dünnere Hornschicht

Neurodermitis kann auch an den Handflächen auftreten und dort einen juckenden Hautausschlag verursachen. (Foto: Fotolia / casi)
Neurodermitis kann auch an den Handflächen auftreten und dort einen juckenden Hautausschlag verursachen. (Foto: Fotolia / casi)

Bei Neurodermitis produziert die Haut weniger Talg und verliert mehr Wasser.

(dbp/ihs/fru) Kratzen, Schaben, Kratzen – ein Neurodermitis-Schub kann qualvoll sein, ein Teufelskreis aus Juckreiz und Entzündung. Atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem nennen Mediziner die meist allergisch bedingte Hauterkrankung. Experten gehen heutzutage davon aus, dass neben erblicher Veranlagung und Umwelteinflüssen auch die Ernährung zur Entstehung einer Neurodermitis beiträgt. Da viele Lebensmittel chemisch stark verändert und belastet sind, ist eine erste Schutzmaßnahme möglichst naturbelassene Lebensmittel zu konsumieren. Neurodermitiker reagieren z. B. häufig auf Fruchtsäuren oder Alkohol sehr empfindlich. Aber auch Lackdämpfe, Zigarettenrauch, Hausstaubmilben oder Pollen in der Luft können Hautreaktionen hervorrufen.

Die persönlichen Auslöser kennen

Neurodermitis entsteht häufig schon im Kindesalter, klingt aber in der Regel im Laufe der Jahre wieder ab. Etwa zwei bis vier Prozent der Erwachsenen leiden nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) jedoch unter einer chronischen Neurodermitis. Der erste Schritt, um mit der Krankheit besser leben zu können, ist das Forschen nach den Auslösern, um diese weitestgehend vermeiden zu können. Gemeinsam mit dem Hautarzt muss zudem eine individuelle Strategie zur Linderung akuter Schübe gefunden werden.

Psychische Belastungen schwächen das Immunsystem zusätzlich und damit auch die Haut. Viren und Bakterien haben es bei Neurodermitikern dann noch leichter, in den Körper einzudringen und dort für Entzündungen und Juckreiz zu sorgen. Dass es zu juckenden Ausschlägen kommt, liegt also daran, dass bei Betroffenen der natürliche Schutzpanzer nicht intakt ist. Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund hat die Haut dann eine dünnere Hornschicht, produziert weniger Talg und verliert mehr Wasser. Deshalb ist sie sehr trocken und empfindlich – auch gegenüber Parfüm, Waschsubstanzen oder Hautreizungen durch Schwitzen und Textilien wie z. B. grober Wolle.

Die Haut pflegen und schonen

Neurodermitiker benötigen für ihre sehr trockene Haut eine gewisse Basispflege mit viel Feuchtigkeit. Den Juckreiz kann man mit rückfettenden Salben und Cremes wie z. B. Harnstoff (Urea) lindern. Wasch- und Pflegeprodukte sollten reizarm sein, also ohne Alkoholzusätze, seifenfrei und möglichst wenig oder gar nicht parfümiert. Die Kleidung sollte aus weichen Stoffen wie Baumwolle oder Seide bestehen, damit nichts auf der Haut kratzt.

Ansonsten haben sich bei Neurodermitis-Schüben Antihistaminika bewährt. Diese Medikamentengruppe wird dann meist in Tablettenform gegeben und blockiert die körpereigene Substanz Histamin, die den Juckreiz verursacht. Bei sehr schweren Fällen kann auch Kortison verabreicht werden. Dieses unterdrückt die Überreaktion des Immunsystems, sodass die Entzündung zurückgeht. So wird die Haut stabilisiert und der Juckreiz gelindert. Eine dauerhafte Anwendung von Kortison sollte immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Andere Medikamente basieren auf Pilz-Wirkstoffen. Sie blockieren ein Enzym, das für die Hautentzündung verantwortlich ist. Auch mit ultraviolettem Licht lässt sich Neurodermitis effektiv behandeln. Ein neuer Ansatz ist die Antikörpertherapie, deren Wirkung auf die Drosselung entzündungsfördernder Botenstoffe basiert.