Der Würstchenboykott

Wenn Kinder sich vegetarisch ernähren und dabei auch Milchprodukte zu sich nehmen, ist das gesundheitlich unbedenklich. (Foto: sjhuls / Fotolia)
Wenn Kinder sich vegetarisch ernähren und dabei auch Milchprodukte zu sich nehmen, ist das gesundheitlich unbedenklich. (Foto: sjhuls / Fotolia)

Eltern müssen nicht beunruhigt sein, wenn ihr Kind kein Fleisch essen mag

(dbp/mhk) Würstchen, Hamburger oder Schnitzel tabu? Manche Eltern sorgen sich, wenn ihre Kinder Fleisch boykottieren. Sie befürchten Entwicklungsstörungen und Mangelernährung, vor allem Eisenmangel. Dipl. oec. troph. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn gibt Entwarnung: „Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist vegetarische Ernährung von Kindern kein Problem.“ Auch das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund hält fleischlose Kost prinzipiell für unbedenklich.

Laut Kiggs-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, www.kiggs.de) des Robert-Koch-Instituts (RKI), die im Juni 2012 abgeschlossen wurde, haben sich drei Prozent der unter 18-Jährigen für fleischlose Ernährung entschieden. Bei den 14- bis 17-jährigen Mädchen sind es sogar sechs Prozent.

Kein Fleisch ist kein Problem

Die einen entscheiden sich spontan, weil es ein Freund oder Prominenter vormacht, die anderem der Tiere willen oder weil auch die Familie aus ökologischen, gesundheitlichen, moralischen oder religiösen Motiven verzichtet. Ob nur vorübergehender oder radikaler Verzicht: Ausgewogenheit ist das Zauberwort. „Wer sich abwechslungsreich mit Vollkorngetreideprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse sowie Milch und Milchprodukten ernährt, kann den Nährstoffbedarf problemlos ohne Fleisch decken“, so Gahl. Es gebe sogar positive Effekte, da weniger gesättigte Fettsäuren, Cholesterol und Purine und mehr Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe oder komplexe Kohlenhydrate aufgenommen werden, so Gahl.

Kein Fisch ist ein Problem

Die Formel: Gemüse plus Getreide plus Vitamine. Der komplette Verzicht auf Fisch allerdings sei kritisch. „Seefisch wie Lachs oder Hering sind wichtig wegen der Omega-3-Fettsäuren – für die Entwicklung des Gehirns bei kleinen Kindern und generell für die Immunfunktion.“

Eltern vegetarischer Kinder sollten auf die Versorgung mit Eisen achten. „Eisenreich sind Nüsse, Soja oder Vollkorn, Erbsen, Linsen, Mangold, Fenchel, Spinat, Schwarzwurzeln“, so Gahl. Da der Körper Eisen aus pflanzlicher Nahrung etwas schlechter verwertet als aus tierischer (nur 2 bis 5 Prozent, aus Fleisch dagegen bis zu 20 Prozent), empfiehlt die Ernährungsexpertin Eisen-Aufnahme-Verbesserer mit viel Vitamin C: „Gleichzeitig zum Mittag- oder Abendessen Paprika im Salat, Orangensaft dabei oder Apfel zum Nachtisch. Die Kombination macht‘s.“ Auch Brokkoli, Blumen- und Rosenkohl oder Erdbeeren sind gute Vitamin C-Lieferanten, die das Verwerten des Eisens im Körper verbessern.

Jodsalz und viel Eiweiß

„Verwenden Sie zudem Jodsalz oder kombinieren Sie verschiedene proteinreiche Lebensmittel in einer Mahlzeit, zum Beispiel Milch und Kartoffeln, Ei und Getreide oder Kartoffeln und Eier“, empfiehlt sie.

Bei Teenagern, die in der Wachstumsphase zudem mehr Eisen benötigen, sollte man etwas genauer auf den Gesundheitszustand schauen. Blässe oder Müdigkeit können andere Gründe haben. „Wenn aber Abgeschlagenheit, Erschöpfung, häufige Infekte oder gar völlige Appetitlosigkeit auftreten, ist ein Arztbesuch ein Muss“, so die Expertin. Da die Speicher im Körper sich erst langsam leeren und ein echter Mangel oft erst Jahre später sichtbar ist, sollte man bei regelmäßigen Untersuchungen beim Kinder- und Jugendarzt immer auf ‚Vegetarier!‘ hinweisen. Ab und an ein großes Blutbild zur Kontrolle schade nicht. „Es kommt auch immer darauf an, wann damit begonnen wurde, im Mutterleib oder als Jugendlicher.“

Von veganer Kost, bei der auf sämtliche tierische Produkte, also auch auf Eier und Milchprodukte verzichtet wird, rät Gahl hingegen ab, da eine ausreichende Nährstoffversorgung kaum sichergestellt werden könne.

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Interview mit Dipl. oec. troph. Antje Gahl, Ernährungswissenschaftlerin, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn; Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE): Kinder vegetarisch ernähren – ja oder nein?, www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1150; Fachinformation „Vegane Ernährung: Nährstoffversorgung und Gesundheitsrisiken im Säuglings- und Kindesalter“ (www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1130; Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (www.fke-do.de/): DONALD-Studie / Rezepte für Kleinkinder: www.fke-do.de/content.php?seite=seiten/inhalt.php&details=118

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