Der Kassentest ist nicht der beste

Für den Stuhltest nimmt der Patient zu Hause eine Stuhlprobe, verpackt sie in Röhrchen und Tütchen und gibt sie beim Arzt ab. (Foto: dbp/S. Richter-Polig)
Für den Stuhltest nimmt der Patient zu Hause eine Stuhlprobe, verpackt sie in Röhrchen und Tütchen und gibt sie beim Arzt ab. (Foto: dbp/S. Richter-Polig)

IGeL-Check: Verschiedene Labortests helfen bei der Einschätzung des Darmkrebs-Risikos

(dbp/auh) Die derzeit beste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs ist die Darmspiegelung. Bei dieser Untersuchung, die auch Koloskopie genannt wird, können Vorstufen eines Tumors entdeckt und entfernt werden. Ab dem 55. Geburtstag hat jeder gesetzlich Versicherte Anspruch auf eine „Vorsorge-Darmspiegelung“. Doch nur eine Minderheit, etwa 20 bis 30 Prozent der Berechtigten, hat diese Möglichkeit bereits genutzt.

Ein Grund für die Zurückhaltung: Wie jeder invasive Eingriff, ist auch die Darmspiegelung nicht völlig risikofrei. Wer keine Beschwerden hat, möchte vielleicht zunächst kleinere Geschütze bei der Früherkennung auffahren. Das ist mit Labortests möglich, die zwar allesamt weniger aussagekräftig sind als die Koloskopie, aber mehrere Vorteile für den Patienten haben: Sie sind diskret, schmerzfrei und bei einem negativen Testergebnis muss zunächst keine Darmspiegelung gemacht werden.

Nur ein einziger Test wird bisher von den gesetzlichen Kassen erstattet, der sogenannte Guajaktest. Er basiert auf einer chemischen Farbreaktion. Papierstreifen, die mit Guajakharz getränkt sind, färben sich blau, wenn sie mit Blut in Kontakt kommen. Die große Schwäche dieses Tests: Auch zahlreiche Lebensmittel, darunter Blutwurst, Radieschen und andere Retticharten, Tomaten, Blumenkohl, Bananen und Brokkoli, aber auch Vitamin C und diverse Medikamente führen zu dieser Blaufärbung. Deshalb ist eine mehrtägige Diät erforderlich, bevor der „Kassentest“ durchgeführt werden kann.

Keine Diät erforderlich bei den Selbstzahlertests

Treffsicherer und einfacher in der Handhabung sind sogenannte immunologische Stuhltests, die auf dem Nachweis des menschlichen Blutfarbstoffs basieren. Für etwa 16 Euro gibt es diese Tests beim Arzt oder in der Apotheke. Ein Vorteil: Lebensmittel können das Testergebnis nicht verfälschen. Auch in anderer Hinsicht sind die immunologischen Stuhltests dem Guajaktest überlegen: Sie spüren mehr Krebsfälle und Krebsvorstufen auf und liefern weniger falsch positive Ergebnisse, so das Ergebnis einer Studie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Ein anderes Verfahren zur Früherkennung von Darmkrebs und dessen Vorstufen liegt dem Stuhltest „M2-PK“ zugrunde. Dieser Test, für den der Arzt bzw. der Apotheker etwa 30 Euro berechnet, kann das Enzym „M2-Pyruvatkinase“ mittels Antikörpern nachweisen. Der Vorteil: Auch nicht-blutende Krebsvorstufen und Darmtumoren werden aufgespürt. Zudem kann es kein durch Hämorrhoiden oder Menstruationsblut ausgelöstes falsch positives Ergebnis geben. Auch bei diesem Test ist keine Einschränkung der Essgewohnheiten erforderlich. Als „2-in-1“-Kombitest gibt es ihn auch zusammen mit dem immunologischen Blut-im-Stuhl-Test für etwa 40 Euro.

Bluttest ermittelt Krebs-DNA

Ebenfalls eine „Individuelle Gesundheitsleistung“ ist der „Septin-9-Test“, der einen Biomarker im Blut aufspürt: die DNA des Tumors. Dieser Test kostet den Selbstzahler circa 150 Euro und ist damit verhältnismäßig teuer. Außerdem kann man ihn nicht zu Hause machen, sondern muss zum Blut abnehmen in die Arztpraxis. Trotzdem ist diese Variante für einige Patienten eine unkomplizierte und weniger „peinliche“ Alternative zu den Stuhltests.

Wichtig: Keiner dieser Tests kann eine Koloskopie ersetzen. Alle ziehen bei positivem Befund die Empfehlung für eine Darmspiegelung nach sich. Bei jedem Test kann es auch falsch negative Ergebnisse geben.

IndivIGEL-LOGOiduelle Gesundheits-Leistungen (IGeL) sind ärztliche Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Das können beispielsweise Diagnostikverfahren sein, Reiseimpfungen oder kosmetische Behandlungen. Nur auf Wunsch und mit schriftlicher Zustimmung des gesetzlich Versicherten darf der Arzt eine IGeL erbringen und muss diese nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abrechnen. Die GOÄ sieht einen Gebührenrahmen mit Mindest- und Höchstsätzen vor, je nach Aufwand der Leistung.