Der Kälte und Feuchtigkeit „einheizen“

Bei der Moxibustion kann das Moxakraut (Beifuß) auch auf kleine Moxakegel oder –zylinder glimmen, die auf einem Plättchen direkt auf die schmerzende Stelle gelegt werden. (Foto: Monika Wisniewska / Fotolia)
Bei der Moxibustion kann das Moxakraut (Beifuß) auch auf kleine Moxakegel oder –zylinder glimmen, die auf einem Plättchen direkt auf die schmerzende Stelle gelegt werden. (Foto: Monika Wisniewska / Fotolia)

Die Moxibustion bringt Wärme in den Körper und das „Chi“ in Fluss.

(dbp/nas) Beim Stichwort „Traditionelle Chinesische Medizin“ (TCM) dürften die meisten Menschen sofort an Akupunktur denken, vielleicht auch an die Behandlung mit Kräutern und anderen traditionellen Heilmitteln. Die sogenannte Moxibustion verbindet das gewissermaßen und sie gehört seit jeher als Teilgebiet mit zur Akupunktur – nicht umsonst besteht das chinesische Wort dafür aus den beiden Teilen „stechen“ und „brennen“.

Was bei der Moxibustion brennt beziehungsweise glimmt, das ist Moxakraut – Beifuß, der auch in der westlichen Naturheilkunde eine Rolle spielt; vor allem bei Menstruations- und Verdauungsbeschwerden. Die Behandlungsmethode soll Kälte und Feuchtigkeit aus den Meridianen vertreiben sowie den Blutfluss und das „Chi“, die Lebensenergie, anregen.

„Kältekrankheiten“ mit der Wärme des Moxakrauts behandeln

„Mit der Moxibustion können vor allem Erkrankungen behandelt werden, die mit Feuchtigkeit oder Kälte verbunden sind“, erklärt Tom Tuchardt von der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin (AGTCM). Das kann äußere Kälte sein, wenn man z. B. im kalten Regen nass geworden ist, ebenso wie „innere Kälte“ nach dem Genuss von kalten Speisen oder Rohkost. Das Spektrum der Indikationen sei breit und reiche von Schmerzen im Bewegungsapparat und Rheuma über Atemwegserkrankungen bis hin zu Problemen rund um die Verdauung, so der Heilpraktiker.

Die Behandlung stärke auch allgemein die Abwehrkräfte und könne bei Erschöpfungs- und Schwächezuständen helfen. Die Wärme der Moxibustion sei angenehm und tiefgehend – in der TCM schreibt man ihr eine tonisierende Wirkung und eine Stärkung des „Yang“ im Körper zu. „Auch bei Flüssigkeitsansammlungen wie Ödemen wird die Moxibustion eingesetzt“, sagt Tuchardt. Allerdings darf hierbei – ebenso wie bei anderen Erkrankungen wie verminderter Hautregeneration – nicht direkt auf der Haut „gemoxt“ werden. Vorsicht ist auch während der Schwangerschaft geboten und bei allen Krankheiten, die einen „Hitzecharakter“ haben und z. B. mit Entzündungen oder Fieber einhergehen. Menschen mit Schlafstörungen und Nervosität sowie Patienten mit akutem Bluthochdruck sollten ebenfalls nicht beziehungsweise nur sehr vorsichtig behandelt werden.

Verschiedene Anwendungsmöglichkeiten, z. B. mit Nadeln oder Kästchen

Das Moxakraut ist speziell aufbereiteter, gekämmter Beifuß. Je nach Anwendungsgebiet gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung. Bei einer Variante wird das Kraut am oberen Ende einer Akupunkturnadel befestigt und angezündet. Insbesondere um die Wärme großflächiger anzuwenden, kommen kleine Kästchen oder „Öfen“ zum Einsatz, in denen der Beifuß auf einem siebartigen Boden mit etwas Abstand zur Haut seine Wirkung entfalten kann.

Manchmal werden auch kleine Moxakegel oder –zylinder auf einem Plättchen direkt auf die Haut gelegt oder das Kraut glimmt auf einer Scheibe Ingwer oder Knoblauch – beides Lebensmittel, die energetisch ebenfalls Wärme abgeben und damit die Wirkung der Moxibustion verstärken, erläutert Tom Tuchardt.

Sogenannte Moxazigarren, für die das Kraut zu einem länglichen Zylinder in feines Papier gerollt wird, eignen sich besonders gut für die Eigenanwendung – nach entsprechender Anleitung durch einen erfahrenen Experten. In China, Korea oder Japan sei der Einsatz von Moxakraut zuhause so verbreitet wie hierzulande die guten, alten Wadenwickel, sagt Tom Tuchardt. Auch in großen Kliniken gehört die Moxibustion zum Alltag. Der Begriff „Moxa“ stammt übrigens aus dem Japanischen: „mo“ bedeutet brennen und „kosa“ Kraut.

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