Der Führerschein – auf ewig Mein?

Auch bei Menschen im mittleren Lebensalter können Zweifel an ihrer Fahrtauglichkeit aufkommen. (Foto: miklav / Fotolia)
Auch bei Menschen im mittleren Lebensalter können Zweifel an ihrer Fahrtauglichkeit aufkommen. (Foto: miklav / Fotolia)

Verkehrsverbände sind gegen verpflichtende Fahreignungstests für ältere Autofahrer

(dbp/auh) Viele Angehörige machen sich Sorgen, ob Eltern oder Großeltern noch in der Lage sind, ihren Wagen sicher durch den Straßenverkehr zu lenken. Doch in der Regel spüren die älteren Verkehrsteilnehmer selbst, wann es Zeit ist, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Meist beginnen sie damit, ihr Fahrverhalten an ihre veränderten Fähigkeiten anzupassen. Wer in der Dämmerung oder bei Nacht kaum noch sieht, fährt nur noch am Tag. Wer sich auf der Autobahn unsicher fühlt, nimmt die Landstraße. Diese Strategie endet oft damit, dass nur noch bekannte und gewohnte Strecken gefahren werden. Irgendwann bleibt das Auto dann ganz in der Garage.

Deutscher Führerschein ist unbefristet gültig

Doch was ist mit dem alten Herrn und der alten Dame, die weniger Einsicht zeigen? Die ganz offenbar sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen? Wenn Gespräche in der Familie oder Mahnungen des Arztes nicht fruchten, bleibt den besorgten Angehörigen im Ernstfall nur das Einschalten der Fahrerlaubnisbehörde. Nur sie darf eine Überprüfung der Fahreignung anordnen.

In Deutschland gibt es keine Altersbegrenzung für die private Nutzung eines Pkw. Auch sind – solange das Punktekonto in Flensburg leer bleibt – keine obligatorischen Fahreignungsprüfungen vorgesehen. In anderen Ländern gibt es solche Tests, die für Menschen ab einem bestimmten Alter verpflichtend sind, wenn sie ihren Führerschein behalten wollen. Die Deutsche Verkehrswacht allerdings bezweifelt, ob solche Regelungen „einen positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit besitzen“.

Verkehrsminister will keine Zwangstests

Der ADAC vertritt eine ähnliche Position: Es gebe „keine stichhaltige Begründung für die ständig wiederkehrende Forderung nach einer vorgeschriebenen Eignungsbegutachtung ab einem bestimmten Lebensalter oder gar einer Befristung des Führerscheins“, so der Standpunkt des ADAC.

Stattdessen setzen die Verkehrsverbände auf freiwillige Seh- und Mobilitätstest, Fahrtraining oder auch auf technische Hilfen wie Fahrassistenzsysteme. Auch das Bundesverkehrsministerium wirbt in seinem Verkehrssicherheitsprogramm für freiwillige Gesundheitschecks.

Laut Deutscher Verkehrswacht sollten „ältere Menschen ermutigt werden, ihre körperliche und psychische Verfassung selbstkritisch einzuschätzen. Freiwillige Tests und Untersuchungen helfen dabei, eine objektive Einschätzung ihrer Fähigkeiten und des Ausmaßes bestehender Leistungsdefizite zu erhalten. Bei körperlichen Defiziten kann eine Beratung durch den Arzt Wege und Gegenmaßnahmen zeigen, die älteren Menschen helfen, eine sichere Verkehrsteilnahme zu bewahren“, heißt es in einer Erklärung der Deutschen Verkehrswacht.

Etwas anderes bleibt bei der gegenwärtigen Rechtslage auch kaum übrig. Denn Gesetze und Rechtsprechung in Deutschland schützen die Inhaber einer Fahrerlaubnis, so lange sie sich keiner Vergehen schuldig machen.