Der Aufklärungsbedarf ist hoch

In einem Kölner Kindergarten zeigt Prof. Dr. Grönemeyer, wie man Kinderfüße richtig vermisst. (Foto: Aktion „Große Chance für kleine Füße!“)
In einem Kölner Kindergarten zeigt Prof. Dr. Grönemeyer, wie man Kinderfüße richtig vermisst. (Foto: Aktion „Große Chance für kleine Füße!“)

Die Hälfte der Kinder trägt zu kleine oder zu große Schuhe.

(dbp/fru) Gerade bei Kleinkindern hört man die Eltern oft ächzen: „Nicht schon wieder neue Schuhe!“ Kinderfüße wachsen nämlich sehr schnell: Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr um zwei oder drei Schuhgrößen im Jahr und vom Kindergartenalter bis zum Schulalter jährlich um ein bis zwei Größen. Das geht natürlich auch ins Geld, wenn man Schuhe für verschiedene Jahreszeiten und Witterungsverhältnisse, Haus- und Sportschuhe oder Stiefel kaufen muss.

Es geht aber nicht nur um das liebe Geld, sondern auch um die Gesundheit der Kleinen. „Kinderfüße sind sehr weich. Zu kleine oder zu große Schuhe im Kindesalter können daher zu schwerwiegenden Fußdeformationen, Rücken- und Hüftbeschwerden führen“, warnt Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Rückenexperte und Schirmherr der kürzlich durchgeführten  bundesweiten Fußmessaktion „Große Chance für kleine Füße!“.

3.000 Paar Kinderfüße vermessen

Im Auftrag der Dietrich Grönemeyer Stiftung und eines Kinderschuhherstellers wurden insgesamt 6.000 Kinderfüße vermessen. Zudem fand eine ergänzende Befragung von Müttern Erzieher und Erziehrinnen durch ein Markt- und Meinungsforschungsinstitut statt. Das Ergebnis: Die Bedeutung von Kinderfußgesundheit wird unterschätzt. Denn 55 Prozent der Kinder bis sechs Jahren tragen zu kleine (35,7 Prozent) oder zu große Straßenschuhe (19,5 Prozent).

Das Deutsche Schuhinstitut (DSI) empfiehlt, die Füße von Kindern alle drei Monate zu vermessen. Allerdings sieht die Realität anders aus, denn weniger als die Hälfte der befragten Mütter (47 Prozent) nutzt ein Fußmessgerät zum Ermitteln der Schuhgröße ihres Kindes. Und insbesondere bei älteren Kindern werde das Messen seltener durchgeführt als empfohlen.

Daumenprobe ist die falsche Methode

Und wenn gemessen wird, sollte die Grundlage ein verlässliches Messsystem sein. Keinesfalls sollten Eltern die Größe des Schuhs mit dem Daumen überprüfen. „Die sogenannte Daumenprobe ist keine verlässliche Methode zur Messung von Schuhgrößen. Kinder ziehen ihre Zehen beim Druck auf den Schuh reflexartig zurück. Das geschieht unbewusst und ist nicht spürbar“, erklärt Prof. Grönemeyer. Bei der durchgeführten Umfrage zeigte sich jedoch, dass 59 Prozent der befragten Mütter, die neue Schuhe für ihr Kind kaufen, die Daumenprobe nutzen.

Es sei auch ein Trugschluss, dass Kinder unter sechs Jahren beurteilen können, ob ihr Schuh passt. Das glauben immerhin 56 Prozent der befragten Mütter. In diesem Alter können Kinder jedoch nicht verlässlich sagen, ob der Schuh drückt. Zur Ermittlung der Schuhgröße von Kindern ist es daher empfehlenswert, das extra für Kinderfüße entwickelte Weiten-Maß-System (WMS) zu nutzen. Das WMS ist ein Qualitätssiegel des Deutschen Schuhinstituts, das nur an qualifizierte Schuhhändler vergeben wird.

Die Aktion „Große Chance für kleine Füße!“ soll Eltern informieren und motivieren, die Füße ihrer Kinder regelmäßig zu messen. „Dies ist eine wichtige Grundlage dafür, dass die Füße der Kinder sich gesund entwickeln können“, so Grönemeyer. Und wenn kein Messgerät vorhanden ist, kann man sich laut dem Deutschen Schuhinstitut (DSI) auch anders behelfen: „Nehmen Sie am besten regelmäßig die Sohle heraus und prüfen Sie, dass der Zehenabdruck noch nicht bis ganz nach vorne reicht. Wenn nur noch wenige Millimeter übrig sind, heißt es: Kinderschuhe kaufen!“

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