Depression: Männer sind aggressiv und gereizt

Wenn sie eine Depression entwickeln, treten Männer oft feindselig und aggressiv auf. (Foto: Bilderbox)
Wenn sie eine Depression entwickeln, treten Männer oft feindselig und aggressiv auf. (Foto: Bilderbox)

(dbp/spo) Melancholie, Freud- und Antriebslosigkeit sind die klassischen Symptome einer Depression. Bei Männern zeigt sich die Krankheit zu Beginn allerdings oft ganz anders.

Hier treten eher Reizbarkeit, Ärger, Aggressivität und Enttäuschung auf, sagt Professor Dr. Wolfgang Maier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). „Häufig treten die Betroffenen in Situationen geradezu feindselig auf, wirken unkontrolliert und neigen zu einer nach außen gerichteten Vorwurfshaltung.“ Begleitende körperliche Symptome seien teils Herzklopfen, Kurzatmigkeit und Schwindelgefühle.

Die Reaktion: Mehr Zigaretten und Alkohol

Im Gegensatz zu Frauen suchen Männer deutlich seltener Hilfe, denken auch lange nicht an eine Krankheit, sondern führen ihre Symptome auf andere Dinge zurück – etwa Stress und starke Belastungen im Job oder Privatleben. „In vielen Fällen reagieren depressive Männer auf die Erkrankung mit vermehrtem Zigaretten- und Alkoholkonsum oder allgemein riskantem Verhalten“, so Professor Maier. Zum Arzt gehen sie oft erst, wenn Erschöpfung, Schlaflosigkeit oder ein Burnout-Gefühl den Alltag stark beeinträchtigen.

Das Problem: Obwohl depressive Frauen deutlich öfter versuchen, sich das Leben zu nehmen, gelingt depressiven Männern dreimal so oft die Umsetzung. Der Grund: „Männer neigen bei der Ausführung zu aggressiveren Versuchen, weswegen die Suizidraten höher sind“, sagt der Professor. Depressionen sind grundsätzlich gut behandelbar, jedoch ist der Heilungsprozess in der Regel umso schwieriger, je länger und ausgeprägter sie bestehen.