Depression ist auch im Alter nicht normal

Bei älteren Menschen werden Depressionen oft nicht behandelt. (Foto: Bilderbox)
Bei älteren Menschen werden Depressionen oft nicht behandelt. (Foto: Bilderbox)

(dbp/cwr) Eine Altersdepression muss ernst genommen und behandelt werden.

Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie (DGGPP). Auf keinen Fall dürfe die Depression als „altersbedingt“ abgetan werden, gerade auch vor dem Hintergrund, dass 40 Prozent aller Suizide von Menschen begangen werden, die über 60 Jahre alt sind.

Von Altersdepression sprechen die Experten, wenn die Krankheit bei Patienten auftritt, die älter als 65 Jahre sind. Diese Form der Depression werde oft nicht erkannt. Das liege einerseits daran, dass bei älteren Menschen die Anzeichen für diese Krankheit eher körperlicher Natur sind: Kopfschmerzen gehören dazu, Rücken- und Gliederschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Herzrhythmusstörungen, Atemprobleme, Schwindel und zu einem großen Teil Schlafstörungen – Beschwerden, die viele als „normal“ im Alter ansehen würden. „Die Betroffenen klagen häufig über ihren allgemeinen Gesundheitszustand und weniger über ihren Gemütszustand“, sagt Dr. Martin Haupt, Vizepräsident der DGGPP. Zu den psychischen Leiden zählten Antriebs- und Freudlosigkeit, das Nachdenken über den Tod und ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld.

Andererseits, so die DGGPP, halten es Angehörige oft für normal, dass ältere Menschen depressiv sind – eine fatale Einstellung, der das Erkennen der Krankheit hinauszögert, denn: „Depressive Menschen sind von sich aus häufig nicht in der Lage, sich selbst in Behandlung zu geben“, sagt Dr. Haupt. Deswegen sei eine Unterstützung von außen immens wichtig. Die Therapie der Krankheit, ist sie erst einmal diagnostiziert, hat den Wiedergewinn der Lebensqualität zum Ziel. Oft helfe die Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und soziotherapeutischen Maßnahmen.

Während in der Gesamtbevölkerung etwa fünf Prozent an Depressionen leiden, sind es laut DGGPP bei den über 65-Jährigen 20 Prozent. Ein großes Risiko sind die hohen emotionalen Belastungen, denen ältere Menschen ausgesetzt sind: Berufsaufgabe, Tod nahestehender Menschen und nachlassende Leistungsfähigkeit zählen dazu.