Den Ball hören

Ein Spiel der Blindenfußball-Bundesliga zwischen dem Chemnitzer FC und dem MTV Stuttgart. (Foto: Carsten Kobow, Essen / Sepp-Herberger-Stiftung)
Ein Spiel der Blindenfußball-Bundesliga zwischen dem Chemnitzer FC und dem MTV Stuttgart. (Foto: Carsten Kobow, Essen / Sepp-Herberger-Stiftung)

Blinde und sehbehinderte Menschen nutzen beim Sport ihre vorhandenen Sinne intensiver

(dbp/nas) Der Ball ist rund und hat Rasseln. Im Blindenfußball müssen sich nicht nur die Spieler, sondern auch das Spielgerät akustisch bemerkbar machen. Das Gehör ersetzt das Augenlicht und die Spieler orientieren sich auf dem Feld über Zurufe. Hinter dem gegnerischen Tor unterstützt zum Beispiel ein „Guide“ den Sturm seiner Mannschaft. Das Wort „Voy“, das aus dem Spanischen stammt und „ich komme“ bedeutet, muss jeder Spieler rufen, der sich dem ballführenden Mann nähert.

Seit 2008 wird in Deutschland um die Meisterschaft in der Blindenfußball-Bundesliga gespielt. Neun Mannschaften kämpfen auch in der Saison 2015 wieder um den Titel. Neben „König Fußball“ gibt es viele weitere Sportarten, die von Blinden und Sehbehinderten betrieben werden. Dabei spielt die Orientierung mit Hilfe der anderen Sinne oder die Unterstützung durch sehende Helfer eine wichtige Rolle.

Sport fördert Selbstbewusstsein und Gemeinschaftssinn

Es sei erfreulich, dass immer mehr Regelsportvereine Abteilungen und Angebote für Behinderte entwickeln, sagt der Präsident des Deutschen Behindertensportbunds Friedhelm Julius Beucher. Sport hält nicht nur fit und gesund, sondern fördert zudem Selbstbewusstsein und Gemeinschaftssinn – auch und gerade für körperlich oder geistig Behinderte.

„Viele von Sehbehinderung und Blindheit betroffene Menschen haben bei Sport und Spiel wieder lächeln, ja herzhaft lachen gelernt“, so Jürgen Lubnau, ehemaliger Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands in der Informationsbroschüre „Sport und Spiele für blinde und sehbehinderte Menschen“.

Was sich viele Sehende nicht vorstellen können, funktioniert tatsächlich: Mit nur wenig oder gar keinem Sehvermögen kann man Schach spielen und Sportschießen betreiben ebenso wie Ski- und Fahrradfahren. Es gibt Surflehrgänge, Skatturniere und Jogginggruppen. Geradezu prädestiniert für Blinde und Sehbehinderte sei zum Beispiel Judo, erklärt Präsident Beucher. Der für die Sportart nötige Körperkontakt kann zur Orientierung genutzt werden und da Blinde und Sehbehinderte oft ein besonders ausgeprägtes Körpergefühl haben, erkennen sie Angriffe des Gegners mitunter besser und schneller als Sehende.

Die Orientierung ist wichtig

Orientierung ist in jedem Fall ein wichtiges Stichwort. Beim Speerwurf kann die Abwurfkante beispielsweise mit dem Fuß abgetastet werden und der Sportler bewegt sich rückwärts und zählt die Schritte, die zum Anlauf nötig sind, beim Laufen kann ein Begleitläufer die Strecke mit dem Blinden gemeinsam absolvieren, wobei die beiden über ein kurzes Band an den Händen verbunden sind. Nach diesem Prinzip kann man sich auch auf Inline-Skater oder aufs Eis wagen. Wer gern Skifahren möchte, sollte sich an einen erfahrenen Guide wenden, rät Beucher.

Als „Tandem“ kann man mit einem sehenden Helfer auch aufs Snowboard oder aufs Fahrrad. Eine besonders integrative Sportart ist das Rudern, wo nur der Steuermann sehend sein muss. Die Rudergriffe sind übrigens taktil markiert, damit die Lage der Ruder ertastet werden kann. Und wem das alles noch zu langweilig ist, muss wohl wie andere abenteuerlustige Menschen mit einem Partner einen Fallschirmsprung absolvieren.

Wer sich über die verschiedenen Möglichkeiten im Bereich des Blindensports informieren möchte, kann dies beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband tun. Über die Rufnummer 01805 / 666456 wird man automatisch an die nächstgelegene Ortsgruppe weitergeleitet.