Demenz ist nicht gleich Vergesslichkeit

Bei der frontotemporalen Demenz sterben die Nervenzellen an Stirn- und Schläfenlappen ab.  (Foto: Andrea Danti / Fotolia)
Bei der frontotemporalen Demenz sterben die Nervenzellen an Stirn- und Schläfenlappen ab. (Foto: Andrea Danti / Fotolia)

Die Pick-Krankheit ist eine von etwa 50 verschiedenen Demenzerkrankungen

(dbp/auh) Bei Demenz denken die meisten zuerst an die Alzheimer-Krankheit. Alzheimer ist zwar mit einem Anteil von etwa 60 Prozent die häufigste Demenzerkrankung, aber eben nur eine von mehr als 50 weiteren Formen. Weniger bekannt ist beispielsweise die frontotemporale Demenz, auch Pick-Krankheit oder Morbus Pick genannt. Etwa fünf Prozent aller an Demenz erkrankten Menschen haben diese Krankheit.

Stirn- und Schläfenlappen schrumpfen

Der Begriff „frontotemporal“ (etwa: „an Stirn und Schläfe“) bezeichnet den Ort der Störung. Bei dieser Form von Demenz sterben zuerst die Nervenzellen in den Hirnregionen ab, die vorn und an den Seiten liegen. Das Schrumpfen von Stirn- und Schläfenlappen macht sich bei Patienten mit Symptomen bemerkbar, die gar nichts mit den typischen Anzeichen von Demenz zu tun haben. Keine Vergesslichkeit, keine Orientierungsschwierigkeiten. Stattdessen beginnt sich das Benehmen der Patienten zu verändern. Daher wird die Pick-Krankheit oft mit psychischen Krankheiten oder Persönlichkeitsstörungen verwechselt.

Ein weiterer Grund, warum die frontotemporale Demenz meist nicht als solche erkannt wird: Das durchschnittliche Erkrankungsalter ist relativ niedrig, es liegt zwischen 50 und 60 Jahren. In diesem Alter finden bei vielen Menschen persönliche, familiäre oder berufliche Veränderungen statt. Midlife-Krise oder Wechseljahre werden dann für die Ursache der Verhaltensänderungen gehalten, die bei Morbus-Pick-Patienten auftreten.

Zugang zu eigenen Gefühlen ist versperrt

„Typisch ist vor allem eine Wesensänderung und eine Störung der Verarbeitung von Emotionen. In speziellen Fällen kann es zu einem isolierten, langsam voranschreitenden Verlust der Sprache kommen (Aphasie).“ So beschreibt das Portal www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de die Symptome der frontotemporalen Demenz. Beispiele für diese Verhaltensauffälligkeiten: Manche Menschen werden plötzlich als rast- und ruhelos, aggressiv und leicht reizbar erlebt. Andere ziehen sich zurück, stumpfen ab, werden gleichgültig gegenüber Freunden und Verwandten und können sich an nichts mehr freuen.

Benimmregeln sind vergessen

Da die erkrankten Hirnregionen auch für die erlernten Konventionen im gesellschaftlichen Umgang zuständig sind, benehmen sich die Patienten oft „daneben“: Sie schätzen alltägliche Situationen falsch ein, machen unpassende oder peinliche Bemerkungen und halten sich nicht mehr an die üblichen „Benimmregeln“.

Darauf angesprochen, reagieren Menschen mit frontotemporaler Demenz verblüfft oder empört – ihre Selbsteinschätzung hat stark gelitten. Die Echolalie ist laut dem Infoportal www.wegweiser-demenz.de ein häufiges Symptom. Dabei werden soeben gehörte Worte oder Satzteile zwanghaft wiederholt. Oft erst viele Jahre später kommen Symptome hinzu, die für Alzheimer typisch sind. Im fortgeschrittenen Stadium verarmt die Sprache der Kranken und sie werden tatsächlich vergesslich.

Eine Kommentar schreiben

Ihre Emailadresse wird nicht veröffentlicht! Erforderliche Felder sind mit einem * gekennzeichnet.

Sie können folgende HTML Tags und Attribute verwenden:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>