Das Unternehmen Praxis erfolgreich leiten

Die Stimmung im Praxisteam spielt auch eine Rolle für den reibungslosen Ablauf der Organisation. (Foto: Robert Kneschke/Fotolia)
Die Stimmung im Praxisteam spielt auch eine Rolle für den reibungslosen Ablauf der Organisation. (Foto: Robert Kneschke/Fotolia)

Nachgeforscht: Warum haben viele Ärzte zu wenig Zeit für ihre Patienten?

(dbp/auh) Viele niedergelassene Kassenärzte arbeiten an ihrer Belastungsgrenze. Im „Ärztemonitor“ 2012, einer repräsentativen Befragung im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sagt jeder zweite Arzt, er sei „am Ende eines Arbeitstages völlig erledigt“. 57 Prozent sind der Meinung, dass sie nicht genügend Zeit für ihre Patienten haben.

Zu viel Papierkram

Ein Grund für die drückende Arbeitsbelastung ist der hohe Verwaltungsaufwand. „Auch wenn die Abschaffung der Praxisgebühr den bürokratischen Aufwand verringert hat, gibt es noch viel unnötigen Papierkram, mit dem es Ärzte zu tun haben“, beklagt die KBV auf ihrer Kampagnen-Homepage www.ihre-aerzte.de. „Derzeit verschlingt die Bürokratie rund 15 Prozent der Kernarbeitszeit niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten. Ein Ärgernis für beide Seiten, denn zu viel Papierkram bedeutet längere Wartezeiten für die Patienten und Überstunden für die Ärzte.“

Zwang zur Quantität

Ein anderer Grund für den Zeitmangel ist die hohe Patientenzahl. Hausärzte behandeln im Durchschnitt täglich mehr als 50 Patienten, Fachärzte mehr als 40. Beide Faktoren –¬ die Bürokratie und der Zwang zur Quantität – werden von der Gesundheitspolitik festgelegt. Unter diesen Bedingungen ist eine optimal funktionierende Praxisorganisation wichtig, um nicht buchstäblich im Chaos zu versinken.

Nicht nur der Arzt und sein Team, auch die Patienten leiden darunter, wenn es im Praxisablauf hapert. Oft sind es nur kleine Versäumnisse in der Organisation oder in der innerbetrieblichen Kommunikation, die wie Sand im Getriebe wirken. Julia Müller, Expertin für Praxisorganisation und -verwaltung, kennt die häufigsten Schwachstellen und hilft, sie zu beheben.

Kommunikation und Disziplin

„Die Terminierung ist häufig ein großes Problem“, erläutert die gelernte Medizinische Fachangestellte (MFA), die in ihrer ostwestfälischen Heimat selbst eine gynäkologische Praxis geleitet hat. Bereits bei der Terminvergabe müsse nach dem Grund für den Arztbesuch gefragt werden, damit der voraussichtliche Ablauf exakt geplant werden könne. Beispiel: Muss „nur“ der Arzt geblockt werden oder wird auch das Labor benötigt?

Probleme im Praxisablauf können auch aus mangelnder Kommunikation innerhalb des Praxisteams resultieren. Regelmäßige Teamsitzungen seien ein gutes Mittel, um diese aus dem Weg zu räumen. „Kommunikation ist ganz wichtig“, sagt Müller und spricht auch die EDV an. „Eine optimal genutzte Praxissoftware führt zu einer erheblichen Arbeitserleichterung.“

Auch, wenn alle Schwachstellen erkannt und aus dem Weg geräumt sind: Zeit sei in fast allen Praxen Mangelware. Daher komme es darauf an, mit dieser knappen Ressource diszipliniert umzugehen. „Das gilt für den Arzt genauso wie für den Patienten“, betont Julia Müller.

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