Das Übel an der Wurzel kappen

Wenn ein Zahn auch nach wiederholter Wurzelbehandlung noch schmerzt, kommt eine Wurzelspitzenresektion infrage. (Foto: goodluz / Fotolia)
Wenn ein Zahn auch nach wiederholter Wurzelbehandlung noch schmerzt, kommt eine Wurzelspitzenresektion infrage. (Foto: goodluz / Fotolia)

Eine Wurzelspitzenresektion ist der letzte Rettungsversuch für den Zahn

(dbp/mhk) Kleiner Schnitt – große Wirkung: Die Wurzelspitzenresektion ist die letzte Möglichkeit zum Erhalt der Zahnsubstanz, wenn eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpa) auch durch wiederholte Wurzelbehandlungen nicht eingedämmt werden konnte.

Dr. Christian Gernhardt von der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Uni Halle-Wittenberg, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET) ist, erklärt, wann eine erneute Wurzelkanalbehandlung, die sogenannte Revisionsbehandlung, notwendig sein kann: „Wenn in der ersten Behandlung beispielsweise enge oder gekrümmte Kanäle, komplizierte anatomische Strukturen des Wurzelkanalsystems nicht ausreichend gereinigt und somit desinfiziert werden konnten oder die Füllung undicht geworden und so erneut Bakterien in das Innere des Zahnes gelangt sind.“

Meist ist der Eingriff ambulant möglich

Wenn auch die Revisionsbehandlung nicht erfolgreich war, gibt es noch eine Möglichkeit, den Zahn zu retten: die Wurzelspitzenresektion. Dabei werden in einem kleinen chirurgischen Eingriff, ambulant unter örtlicher Betäubung, die infizierte Wurzelspitze und das umgebende Entzündungsgewebe entfernt. Wenn der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten sehr schlecht ist, kann der Eingriff stationär vorgenommen werden. Bei großer Angst des Patienten könne auch eine Narkose vereinbart werden, so Privatdozent Dr. Gernhardt.

Und so läuft der Eingriff ab: Der Operateur durchtrennt Zahnfleisch und Knochenhaut des betroffenen Zahns. Mithilfe von Knochenfräsen und Bohrern wird der Knochen Schritt für Schritt abgetragen und so ein Bereich der Wurzelspitze freigelegt (das umgebende Gewebe dabei umgeklappt). An der Wurzelspitze angelangt, wird diese um etwa zwei bis drei Millimeter gekappt.

Säubern, Füllen, Zunähen

Nach der Resektion befreit der Arzt den Wurzelkanal von der Wurzelspitze aus vom entzündeten Gewebe und präpariert das Innere der Wurzelspitze. Anschließend bringt er von der Wurzelspitze aus eine spezielle Füllung ein, die sogenannte retrograde Wurzelfüllung (Schnitt und Zugang durch Knochen) und säubert die Knochenhöhle. Danach klappt er das umliegende Gewebe wieder zurück und näht es zu. Zur Kontrolle wird der Eingriff mit Röntgenaufnahmen dokumentiert.

„Etwa drei bis sechs Monate nach dem Eingriff überprüft der Arzt im Röntgenbild, ob Wunde, Knochen und vor allem die Entzündung ausgeheilt sind“, erläutert Gernhardt. Die Prognose sei zwar gut, jedoch sollte immer überprüft werden, ob nicht eine orthograde Revision (durch den Zahn ohne Schnitt) möglich wäre, so der Experte. Ernste Komplikationen seien eher unwahrscheinlich. Es bestehen die bei jedem chirurgischen Eingriff üblichen Risiken.

Abgeraten wird von einer Wurzelspitzenresektion, wenn sich der Patient in einem sehr schlechten Allgemeinzustand befindet, z. B. nach einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich. „Natürlich darf die Heilung einer Grunderkrankung nicht gefährdet werden, aber man sollte immer versuchen, auch Schwerkranken den Zahnerhalt zu sichern“, so Gernhardt.

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Interview mit Priv.-Doz. Dr. Christian R. Gernhardt von der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Uni Halle (Saale), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZE, seit Oktober 2013 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), geführt am 31.01.2014; http://www.dgzmk.de/uploads/media/Wurzelspitzenresektion_Patientenversion_lang.pdf¸ Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de , Online-Informationen des Verbands deutscher zertifizierter Endodontologen: www.vdze.de, Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. (DGET), www.erhaltedeinenzahn.de; Patienteninformation der Bundeszahnärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: Wurzelspitzenresektion. Online-Publikation, www.bzaek.de; Stand: Januar 2014