Das Sprechen neu lernen

Wenn Kinder sehr oft flüstern, kann das ein Begleitsymptom sein, um Stottern vorzubeugen. (Foto: ldprod / Fotolia)
Wenn Kinder sehr oft flüstern, kann das ein Begleitsymptom sein, um Stottern vorzubeugen. (Foto: ldprod / Fotolia)

Die Logopädie ist ein wichtiges Puzzleteil in der Stottertherapie.

(dbp/fru) Stottern ist lediglich eine Störung des Sprechablaufs. Stotternde Menschen sind nicht nervöser, ängstlicher oder gehemmter als flüssig sprechende, sie sind auch nicht weniger intelligent. Bei stotternden Menschen funktioniert lediglich das Zusammenspiel von rechter und linker Gehirnhälfte anders als bei flüssig sprechenden. Stottern äußert sich in Form von unfreiwilligen Wiederholungen, Verlängerung von Lauten und Blockierungen, bei denen die Sprechbewegung komplett aussetzt. Diese Symptome werden Kernsymptome genannt. Diese können alltägliche Situationen wie ein Telefonat zur angstbesetzten Herausforderung werden lassen.

Kinder sind oft auch psychisch belastet

Insbesondere Kinder können zu den Kernsymptomen auch weitere Begleitsymptome entwickeln, die deutlich auffälliger sein können als das ursprüngliche Stottern. Es gibt Begleitsymptome, um das Stottern zu beenden wie Anstrengung (z. B. lauter werden, Mitbewegung des Kopfes oder der Arme, Grimassieren) und Begleitsymptome, um dem Stottern vorzubeugen, wie beispielsweise Flüstern, Sprechen mit Singsang, Umformulieren und Ersetzen unliebsamer Wörter, Einschieben von „ähm“ und anderen Interjektionen, Abbruch der Äußerung oder die komplette Vermeidung von Sprechsituationen. Solche Vorbeugungsstrategien sind ein sicherer Hinweis darauf, dass ein Kind Unterbrechungen im eigenen Redefluss erwartet und sich damit zu arrangieren versucht, auch wenn es möglicherweise den Begriff „Stottern“ noch nicht kennt.

Für manche Kinder stellt das Stottern eine psychische Belastung dar, auf die sie emotional stark reagieren können. Sie ärgern sich, dass sie nicht sprechen können, ziehen sich zurück oder beginnen, sich dafür zu schämen. Dabei reagiert jedes Kind anders auf seine Sprechstörung. Es gibt zum Beispiel nur leicht stotternde Kinder, die jedoch emotional sehr stark darunter leiden. Auf der anderen Seite kann man beobachten, dass es auch stark stotternde Kinder gibt, die deutlich selbstbewusster mit Ihrer Sprechstörung umgehen.

Eine Stottertherapie ist in jedem Alter sinnvoll

Eine Stottertherapie kann in jedem Alter zu einer Besserung führen. Wichtig dabei ist, dass Betroffene lernen, eine möglichst selbstbewusste Einstellung gegenüber ihrer Behinderung zu entwickeln. Auch flüssig sprechende Menschen können dabei helfen, indem sie aufgeschlossen sind und keine Berührungsängste haben. Denn für ein Gespräch mit Stotternden gelten die gleichen Regeln wie für jedes andere höfliche Gespräch: Aufmerksam zuhören, den Blickkontakt halten und einander aussprechen lassen.

Eine teilweise deutliche Verbesserung der Stottersymptome kann durch Logopädie erreicht werden. Bei dieser Therapieform kommen je nach Störungsbild individuell zusammengestellte Übungen mit verschiedenen Schwerpunkten zum Einsatz, bei denen versucht wird, das Sprechen quasi neu zu erlernen. Wenn Kinder betroffen sind, ist es wichtig, auch die Eltern in die Therapie mit einzubeziehen. Hier gilt: Je mehr geübt wird, desto größer sind die Chancen auf Linderung der Symptome.