Das Kleingedruckte ist oft entscheidend

Sehbehinderte können Leuchtlupen als Hilfsmittel zum Lesen benutzen. Damit kann eine bis zu dreifache Vergrößerung erreicht werden. (Foto: DBSV/A. Friese)
Sehbehinderte können Leuchtlupen als Hilfsmittel zum Lesen benutzen. Damit kann eine bis zu dreifache Vergrößerung erreicht werden. (Foto: DBSV/A. Friese)

Wie vergrößernde Sehhilfen sehbehinderte Menschen unterstützen können.

(dbp/fru) Ob aufgrund des Alters oder einer angeborenen Sehbehinderung – die Benutzung von vergrößernden Sehhilfen kann einige Umstellungen mit sich bringen. Laut dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bedarf es in der Regel einer gewissen Eingewöhnungszeit. Es ist jedoch sehr wichtig, seine Umwelt und auch Schriften gut wahrnehmen zu können. Beispielsweise ist bei Vertragsunterlagen gerade das Kleingedruckte entscheidend. Für viele sehbehinderte Menschen sind diese Zeilen jedoch ohne vergrößernde Lesehilfen gar nicht mehr zu erkennen.

Anspruch auf Versorgung mit Seh- und anderen Hilfsmitteln

Der DBSV erklärt, ab wann ein Mensch in Deutschland als sehbehindert eingestuft wird – nämlich dann, wenn er „auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinse nicht mehr als 30 % von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. Verfügt er über eine Sehkraft von weniger als 5 %, gilt er als hochgradig sehbehindert, bei einer Sehkraft unter 2 % als blind.“

Sehbehinderte Menschen haben einen Anspruch auf Versorgung mit Seh- und anderen Hilfsmitteln. Die Kosten für vergrößernde Sehhilfen werden in der Regel übernommen. Dafür kommen verschiedene Kostenträger infrage wie z. B. Krankenversicherungen, Sozialhilfeträger, Integrationsämter, Agenturen für Arbeit, Berufsgenossenschaften oder auch Rententräger. Gerade Krankenversicherungen verleihen häufig ein Gerät aus ihrem vorhandenen Gerätebestand. Oder die Kostenträger bewilligen die Zahlung eines Festbetrages, der sich am preiswertesten Produkt am Markt orientiert, was nicht immer die individuellen Ansprüche des sehbehinderten Nutzers erfüllt. Die Differenz zu einem teureren Hilfsmittel müssen in solchen Fällen Sehbehinderte selbst tragen.

Verschiedene Hilfsmittel stehen zur Auswahl

„Bei der Wahl der für den Patienten am besten geeigneten vergrößernden Sehhilfen müssen medizinische, physiologische, optische und psychologische Voraussetzungen beachtet werden“, teilen der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) sowie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) in ihrer gemeinsamen Broschüre „Augenärzte informieren: Vergrößernde Sehhilfen“ mit. Beispielsweise kann ein Hilfsmittel, das von dem einen für gut befunden wird und ständig im Einsatz ist, für den Nächsten, der an der gleichen Augenerkrankung leidet und einen nahezu identischen Augenbefund hat, völlig ungeeignet sein.

Heutzutage gibt es dank technischer Weiterentwicklungen eine breite Auswahl an effektiven Hilfsmitteln. Die Sehschärfe gibt einen ersten Anhaltspunkt, welche Hilfsmittel infrage kommen, um im Nahbereich Verbesserungen erzielen zu können. Bei einer Sehschärfe von 0,2 bis 0,4 können binokulare Lupenbrillen, Lesegläser oder Leuchtlupen sehr nützlich sein. Damit kann eine bis zu dreifache Vergrößerung erreicht werden. Bei einer Sehschärfe von 0,05 bis 0,2 können z. B. Leuchtlupen und einfache elektronische Geräte helfen. Diese erreichen eine bis zu zehnfache Vergrößerung. Bildschirmlesegeräte können sogar eine bis zu 20-fache Vergrößerung bewirken.

Information und Beratung zu technischen und optischen Sehhilfen bieten neben Augenärzten in der Regel auch alle Augenoptiker in ihren Geschäften an. Informationen zu Hilfsmitteln erhalten sehbehinderte Menschen auch bei den Landesinnungsverbänden der Augenoptiker oder bei den über 250 Beratungsstellen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV). Die Beratungsstellen sind unter folgender bundesweit einheitlichen Rufnummer zu erreichen: 01805 – 666456 (0,12 €/Min).