Das Kind so annehmen wie es ist

Nur lebhaft oder schon ein ADHS-Patient? Die Diagnose muss sorgfältig erstellt werden.  (Foto: Fotolia / Miredi)
Nur lebhaft oder schon ein ADHS-Patient? Die Diagnose muss sorgfältig erstellt werden. (Foto: Fotolia / Miredi)

Tipps zum Umgang mit ADHS-Kindern.

(dbp/fru) Von Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hört man, dass sie sich leicht ablenken lassen, schnell ausflippen und dass sie ständig mit den Händen und Füßen zappeln. Bevor die Diagnose ADHS zuverlässig gestellt werden kann, sind jedoch intensive Untersuchungen eines erfahrenen Kinderarztes oder Kinder- und Jugendpsychiaters nötig. Denn allzu schnell werden auch Eltern von „nur etwas lebhaften“ Kindern mit der Diagnose konfrontiert.

Ziel ist es, das Verhalten zu normalisieren

Nicht jedes Kind, das sich unkonzentriert, laut oder lebhaft verhält, leidet an ADHS. Vielmehr kann ein solches Verhalten auch zu einer normalen Entwicklung gehören, etwa in der Pubertät. Allgemein gilt: Die Auffälligkeiten müssen über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) bestehen, deutlich ausgeprägt sein, verschiedene Bereiche betreffen (Familie, Schule, Freizeit) und von der altersgemäßen Entwicklung abweichen. Die Symptomatik ist aber bei jedem Betroffenen individuell ausgeprägt, teilt die Selbsthilfegruppe ADHS Deutschland e. V. auf ihren Internetseiten mit. Darüber hinaus könne die Erkrankung auch ohne Hyperaktivität auftreten – dann spricht man vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS).

Heute gehen Mediziner davon aus, dass ADHS mit einer Störung bei der Signalübermittlung im Gehirn zusammenhängt. Aber auch psychische Faktoren können die Ausprägung erheblich beeinflussen und so bestimmte Verhaltensweisen verstärken und festigen. Ein wichtigstes Ziel ist es daher, die unaufmerksamen, hyperaktiven und impulsiven Verhaltensauffälligkeiten des Kindes zu normalisieren. In der Regel eignet sich dafür am besten eine Kombination verschiedener Behandlungsmethoden. Auf keinen Fall sollte man aber betroffenen Kindern vorschnell Medikamente verordnen.

Klare Absprachen, Regeln und Grenzen

Die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte e. V. (AG ADHS) gibt auf ihrem Onlineportal www.ag-adhs.de Tipps zum Umgang mit ADHS-Kindern. Wichtig sei laut AG ADHS, dass Eltern ihre Kinder so annehmen wie sie sind und ihnen genügend Rückzugsmöglichkeiten und Bewegungsfreiheit geben. Wichtig seien zudem klare Absprachen, Regeln und Grenzen. Mit Hilfe von Tagesstrukturen und Ritualen könne sich das Kind besser orientieren und lernt, wann welches Verhalten erwünscht ist. Verlässliche und berechenbare Abläufe helfen ADHS-Kindern, mit ihrer Reizoffenheit besser zurechtzukommen.

Wenn das Kind eine Regel übertritt, sollten Eltern unmittelbar und konsequent reagieren. Das heißt aber nicht, dass man etwas erzwingen muss – im Gegenteil: Es ist eher ratsam, Diskussionen zu vermeiden, wenn die Emotionen überkochen. In solchen Fällen sollte man sich und dem Kind besser eine Auszeit gönnen, z. B. indem man kurz den Raum verlässt. In vielen Familien hat sich ein Kreislauf verfestigt, in dem vor allem auf störende Verhaltensweisen reagiert wird. Alles dreht sich um das „Fehlverhalten“. Wichtiger wäre, eher die Stärken des Kindes in den Mittelpunkt zu rücken und die positiven Verhaltensweisen zu loben. Der wichtigste Rat der ADHS AG lautet aber: „Tun Sie etwas für sich selbst“, denn Kinder mit ADHS kosten nun mal viel Kraft.