Das Gleichgewicht der Hormone

Die hormonelle Balance wiederherzustellen, sollte das Ziel einer Therapie in den Wechseljahren sein. (Foto: jd-photodesign / Fotolia)
Die hormonelle Balance wiederherzustellen, sollte das Ziel einer Therapie in den Wechseljahren sein. (Foto: jd-photodesign / Fotolia)

Progesteron spielt eine wichtige Rolle bei der Therapie in den Wechseljahren

(dbp/auh) Egal ob Stoffwechsel, Verdauung, Wachstum oder Fortpflanzung: Die wesentlichen Vorgänge in unserem Körper werden allesamt von Hormonen gesteuert. Für den weiblichen Körper sind vor allem zwei Hormongruppen von großer Bedeutung: Östrogene und Progesteron.

Progesteron und Östrogene sind Gegenspieler

Progesteron – auch Gelbkörperhormon genannt – ist unter anderem dafür zuständig, die Gebärmutter auf eine Schwangerschaft vorzubereiten. Bevor die Wechseljahre einsetzen, wird es deshalb in jedem Zyklus nach dem Eisprung gebildet, also in der zweiten Zyklushälfte. Bleibt das Ei unbefruchtet, sinkt der Progesteronspiegel wieder ab. Kommt es hingegen zu einer Schwangerschaft, wird viel Progesteron produziert, damit kein weiteres Ei heranreifen kann. Für die Reifung der Eizelle sorgen die Östrogene. Sie sind in jeder Hinsicht Gegenspieler des Progesterons. Eine hormonelle Balance ist aber wichtig zur Gesunderhaltung des weiblichen Körpers. Und diese gerät in den Wechseljahren aus dem Gleichgewicht.

Konventionelle Hormonersatztherapie setzt auf konjugierte Hormone

Wechseljahresbedingte Beschwerden werden bei der konventionellen Hormonersatztherapie mit konjugierten Östrogenen behandelt, das heißt mit Hormonpräparaten, die nicht die chemische Struktur der körpereigenen Hormone aufweisen. Da Östrogene allein das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu stark anregen und letztlich zu bösartigen Tumoren führen könnten, wird zusätzlich ein Gestagen verabreicht. Mit Gestagen ist in diesem Zusammenhang ebenfalls meist ein hormoneller Wirkstoff gemeint, der dem körpereigenen Progesteron chemisch nicht entspricht, sondern ihm allenfalls ähnelt. Bei Frauen, denen die Gebärmutter krankheitsbedingt entfernt werden musste, wird auf das Gestagenpräparat verzichtet und nur Östrogen verschrieben.

Auch bioidentische Hormone werden chemisch hergestellt

Neben dieser herkömmlichen Hormonersatztherapie gibt es theoretisch auch die Möglichkeit der Therapie mit bioidentischen Hormonen. Diese werden genau wie die synthetischen Östrogene und Gestagene chemisch hergestellt, sind aber von ihrer Struktur her identisch mit den im Körper gebildeten natürlichen Hormonen. Deshalb werden sie manchmal auch „humanidentisch“ oder „körperidentisch“ genannt.

Es ist allerdings sehr schwierig, einen Arzt zu finden, der sich mit dieser Therapieform auskennt. Von den führenden medizinischen Fachgesellschaften wird diese Methode abgelehnt oder ignoriert. Ein Beispiel für diese Haltung ist die Stellungnahme der „International Menopause Society“ aus dem Jahr 2007: „Es gibt keinen medizinischen oder wissenschaftlichen Grund, nicht registrierte bioidentische Hormone zu empfehlen. Die Messung des Hormonstatus im Speichel ist klinisch nicht sinnvoll. Diese „auf den Kunden zugeschnittenen“ Hormonpräparate sind nicht in Studien untersucht worden, und es fehlen Erkenntnisse bezüglich ihrer Reinheit und Risiken.“

Die Behandlung mit bioidentischen Hormonen ist sehr aufwendig und natürlich keine Kassenleistung. Vor der Verordnung von Hormonen und während der Therapie wird der Hormonstatus der Patientinnen mittels Blut- oder Speicheltest ermittelt. Erst wenn feststeht, welche Hormone wirklich fehlen, erstellt der kundige Arzt ein individuelles Rezept. Die Zahl der Apotheken in Deutschland, die Erfahrung mit der Herstellung von Arzneien mit bioidentischen Östrogenen und/oder Progesteron haben, kann man an einer Hand abzählen. Es gibt nur wenige Fertigarzneimittel mit bioidentischen Hormonen.

Wer sich darüber informieren möchte, für den eignen sich als Einstieg folgende Publikationen:

  •  John R. Lee: Natürliches Progesteron, AKSE-Verlag
  •  Dr. med. Michael E. Platt: Die Hormonrevolution, VAK-Verlag
  •  Dr. med. Alexander Römmler: Die Wahrheit über Hormone, Südwest-Verlag
  •  Beth Rosenshein: Wechseljahre – nein danke, VAK-Verlag