Darmkrebs kann erblich sein

Darmkrebs kann in bestimmten Fällen auch von Generation zu Generation weitervererbt werden. (Foto: Barabas Attila / Fotolia)
Darmkrebs kann in bestimmten Fällen auch von Generation zu Generation weitervererbt werden. (Foto: Barabas Attila / Fotolia)

Für Betroffene gelten andere Vorsorgeempfehlungen.

(iwg/fru) Das hört man beim Thema Darmkrebs öfters: „Meine Schwester hatte Darmkrebs und auch unser Vater ist daran gestorben.“ In solchen Fällen müssen bei direkten Verwandten von Darmkrebspatienten (Eltern, Geschwister oder Kinder) die Alarmglocken läuten. Denn damit haben sie auch selbst ein deutlich höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Jedes Jahr erhalten hierzulande mehr als 62.000 Menschen die Diagnose Darmkrebs. Laut dem Verbundprojekt „Familiärer Darmkrebs“ der Deutschen Krebshilfe treten die meisten Fälle in einem höheren Lebensalter und sporadisch als Einzelfall innerhalb einer Familie auf und sind nicht erblich. Bei etwa 25 % der Patienten findet man jedoch eine familiäre Häufung der Erkrankung. Bei ca. 5 % liegt sogar eine der heute bereits bekannten erblichen Formen von Darmkrebs vor.

Familiäre Häufung von erblichem Darmkrebs unterscheiden

In Familien, in denen eine oder gar mehrere Personen vor dem 51. Lebensjahr an Darmkrebs erkrankt sind oder schon in jungen Jahren Vorstufen von Darmkrebs (Darmpolypen) entwickelt haben, zeigt die Erfahrung, dass auch die Familienmitglieder ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben. Jedoch lassen sich in solchen Fällen mit familiärer Häufung die genetischen Ursachen nicht eindeutig mit molekulargenetischen Tests bestimmen.

Die Formen von erblichem Darmkrebs kann man heute hingegen mit solchen Tests nachweisen. Man unterscheidet hierbei hauptsächlich zwischen erblichem Darmkrebs ohne Polyposis (HNPCC = englisch für Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer, auch Lynch-Syndrom) und der Familiären Adenomatösen Polyposis (FAP). Das HNPCC ist für den Großteil der familiären Darmkrebsfälle verantwortlich. Das mittlere Alter bei der Diagnosestellung liegt bei 45 Jahren. Ist ein Elternteil erkrankt, so beträgt das Risiko der Kinder, ebenfalls zu erkranken, etwa 50 %.

Bei der FAP kommt es zur Überwucherung des Darms mit Darmpolypen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit liegt hier bei 100 %. Man nimmt an, dass ca. 1 % der Darmkrebspatienten davon betroffen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit weitervererbt wird, liegt ebenfalls bei ungefähr 50 %.

Beratung und Untersuchung beim Humangenetiker sinnvoll

„Bei Verdacht auf eine erbliche Tumorerkrankung in der Familie wird den Patienten bzw. deren Angehörigen eine humangenetische Beratung empfohlen. Hierbei werden das Vorliegen und gegebenenfalls die Form der erblichen Krebserkrankung in der Familie eingeschätzt, es werden die Risikopersonen ermittelt und die Möglichkeiten der molekulargenetischen Diagnostik bei Erkrankten sowie bei gesunden Risikopersonen aufgezeigt“, erklärt das Verbundprojekt „Familiärer Darmkrebs“ der Deutschen Krebshilfe auf dessen Internetseiten unter www.hnpcc.de.

Diesem Personenkreis werden dann auch engmaschigere Vorsorge- bzw. Früherkennungs-Untersuchungen empfohlen. Insbesondere mit der Darmspiegelung (Koloskopie) steht Risikopersonen heute eine effektive Form der Früherkennung von Dickdarmkrebs bzw. dessen gutartiger Vorstufen (Darmpolypen) zur Verfügung. Wenn eine familiäre Belastung vorliegt, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für diese Untersuchung auch vor dem 55. Lebensjahr.