Darmbakterium entscheidet über Futterverwertung

Womöglich beeinflusst die Darmflora auch die Figur. (Foto: hartphotography / Fotolia)
Womöglich beeinflusst die Darmflora auch die Figur. (Foto: hartphotography / Fotolia)

(dbp/auh) Rund 1.000 verschiedene Bakterienarten besiedeln den menschlichen Darm.

Die genaue Zusammensetzung dieser „intestinalen Mikrobiota“ ist individuell verschieden, aber etwa 500 dieser Mikrobenspezies finden sich bei jedem Menschen.

Das Darmbakterium Clostridium ramosum gehört zu der Gruppe der sogenannten Firmicuten. Dieser Bakterienstamm ist bei übergewichtigen Menschen stark vertreten, während im Darm von Dünnen die Gattung der Bacteroidetes dominiert. Die Firmicuten sind extrem gute „Futterverwerter“, das heißt, sie holen auch noch die letzte Kalorie aus Nahrungsbestandteilen heraus, die bei dünnen Menschen unverdaut den Darm verlassen. Übrigens: Eine hochkalorische Ernährung begünstigt die Ansiedelung von Firmicuten.

Nun haben Wissenschaftler des Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) ein einzelnes Bakterium vom Stamme der Firmicuten identifiziert, das offenbar eine Hauptrolle spielt bei der Entstehung von Übergewicht: Clostridium ramosum.

Die Studie legt den Schluss nahe, dass diese Mikrobenart unter einer fettreichen Ernährung dazu beiträgt, die Zucker und Fettaufnahme aus dem Dünndarm zu verstärken. Im Mausversuch konnte beobachtet werden, dass Tiere mit Clostridium ramosum in ihren Dünndarmzellen verstärkt Transportproteine produzierten, die für die Aufnahme von Trauben- und Fruchtzucker sowie von Fettsäuren zuständig sind.

„Wir gehen daher davon aus, dass es mehr als nur einen Mechanismus gibt, über den Darmbakterien zur Entstehung von Übergewicht beitragen können“, erläutert Studienleiter Professor Michael Blaut, der die Abteilung Gastrointestinale Mikrobiologie beim DIfE leitet. Erstaunlich sei auch, dass bereits eine einzige Bakterienart einen so starken Effekt zeige, so der Mikrobiologe weiter.