Damit aus dem Pflegefall kein Sozialfall wird

Für junge Menschen ist der Abschluss einer zusätzlichen Pflegeversicherung besonders wichtig. (Foto: JackF / Fotolia)
Für junge Menschen ist der Abschluss einer zusätzlichen Pflegeversicherung besonders wichtig. (Foto: JackF / Fotolia)

Je früher, desto günstiger: Private Pflegezusatzversicherungen

(dbp/auh) Dass Armut krank machen kann, leuchtet sofort. Dass aber auch umgekehrt Krankheit und Pflegebedürftigkeit das Armutsrisiko erhöhen, ist nur wenigen bewusst. Dabei war das vor 20 Jahren der Hauptgrund für die Einführung der Pflegeversicherung. Zuvor waren rund 80 Prozent der Bewohner in Altenpflegeheimen auf „Hilfe zur Pflege“ (Sozialhilfe) angewiesen.

Aber auch die gesetzliche (und übrigens auch die private) Pflegepflichtversicherung deckt nur einen Teil der Kosten ab, die bei Pflegebedürftigkeit auf den Versicherten zukommen. Den Rest muss der Pflegebedürftige selbst bezahlen. Kann er selbst oder können seine Kinder das nachweislich nicht, bleibt ihm nur der Gang zum Sozialamt. „Hilfe zur Pflege“ bezieht heute jeder dritte Pflegeheimbewohner.

Drei Arten von Versicherungen

Damit dieser Anteil nicht weiter steigt, raten Experten aus allen Lagern zu freiwilligen Zusatzversicherungen. Auch das Bundesgesundheitsministerium weist in seinem aktuellen „Ratgeber zur Pflege“ ausdrücklich darauf hin, dass „zusätzliche private Vorsorge wichtig“ ist. Das freut die Versicherungswirtschaft. Sie bietet drei verschiedene Arten von privaten Pflege-Zusatzversicherungen an, zu jeweils zahlreichen, unterschiedlichen Tarifen.

Für alle Produkte gilt: Vor Abschluss sollten sich Interessenten unabhängig und vor allem individuell, also auf die persönliche Situation zugeschnitten, beraten lassen. Auch sollte man sich nicht von übertriebenen Versprechen blenden lassen. Denn selbst wer „doppelt“ versichert ist, muss unter Umständen damit rechnen, dass die Leistungen nicht ausreichen, um seine tatsächlich anfallenden Kosten zu decken.

Den Eigenanteil an den Pflegekosten reduzieren

Das gilt zum Beispiel für die Pflegekostenversicherung. Sie erstattet bis zu einem vereinbarten Höchstbetrag oder bis zu einem bestimmten Prozentsatz die Kosten für professionelle Pflege (ambulant oder stationär), aber nicht die sogenannten „Hotelkosten“ bei Unterbringung im Heim. Das Geld geht nicht an den Versicherten, sondern – nach Vorlage sämtlicher Rechnungen – an den Leistungserbringer.

Selbst entscheiden, wofür man das Geld ausgibt

Die Pflegetagegeldversicherung hingegen zahlt dem Versicherten pro Tag (unabhängig von den tatsächlichen Kosten) eine vereinbarte Geldsumme aus, mit der er machen kann, was er will. Das hört sich erst mal prima an. Der Haken: Die volle Summe wird bei einigen Vertragsvarianten nur bei Pflegestufe III ausgezahlt. Das unabhängige Verbraucherportal www.pflegeversicherung.net rät, mindestens ein Pflegetagegeld von 1.500 Euro monatlich abzusichern. Je nach Eintrittsalter (je früher, desto günstiger) müsse dabei mit einem Versicherungsbeitrag von etwa 50 Euro pro Monat gerechnet werden.

Besser als nichts

Der Pflege-Bahr“ ist die staatlich geförderte und bezuschusste Variante der Pflegetagegeldversicherung, benannt nach dem ehemaligen  Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Der große – und nach einhelliger Meinung sämtlicher Verbraucherverbände einzige – Vorteil: Für den Pflege-Bahr muss man sich keiner Gesundheitsprüfung unterziehen. Die Versicherungsunternehmen dürfen keinen Antrag ablehnen und auch keine Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse vereinbaren. Die Beitragshöhe richtet sich ausschließlich nach dem Eintrittsalter und den vereinbarten Leistungen. Der Eigenanteil muss mindestens zehn Euro monatlich betragen, die Leistung im Fall der Pflegebedürftigkeit (Stufe III) mindestens 600 Euro. Der staatliche Zuschuss beträgt 60 Euro im Jahr.

Teuer, aber flexibel

Die Pflegerentenversicherung zahlt im Pflegefall eine monatliche Rente in vereinbarter Höhe, abhängig von der Pflegestufe, aber unabhängig davon, ob die Pflege zu Hause, im Heim, mit professioneller Hilfe oder in der Familie organisiert wird. Im Unterschied zu den meisten Verträgen der beiden vorgenannten Varianten endet die Beitragspflicht mit Eintritt der Pflegebedürftigkeit. Dennoch rät der Bund der Versicherten entschieden von der Pflegerente ab, da er diese Lösung für viel zu teuer hält. „Deutlich teurer, dafür flexibler“, urteilt die Stiftung Warentest.