COPD, die unterschätzte Lebensgefahr

Auch beschwerdefreie Raucher sollten regelmäßig ihre Lunge untersuchen lassen. (Foto: Dan Race / Fotolia)
Auch beschwerdefreie Raucher sollten regelmäßig ihre Lunge untersuchen lassen. (Foto: Dan Race / Fotolia)

Lungenärzte warnen vor der heimtückischen Krankheit, die erst spät Beschwerden macht

(dbp/auh) Sie ist die dritthäufigste Todesursache in Europa, ihre Häufigkeit nimmt stetig zu und dennoch ist ihre Bezeichnung immer noch erklärungsbedürftig: COPD. Hinter der Abkürzung verbirgt sich der englische Begriff „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, zu Deutsch: chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.

Im Unterschied zur „einfachen“ chronischen Bronchitis sind bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis die Atemwege nicht nur entzündet, sondern zusätzlich dauerhaft verengt, was ihre lebensverkürzende Wirkung erklärt. In etwa 40 Prozent der Fälle kommt ein Lungenemphysem hinzu. Darunter versteht man den irreparablen Zerfall der kleinen Lungenbläschen (Alveolen). Viele kleine Bläschen bilden eine große Blase, die Lunge bläht sich auf, aber ihre Oberfläche schrumpft und sie kann nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen. COPD hat sich als Oberbegriff eingebürgert für beide Krankheitsbilder. In Deutschland ist die COPD häufiger als Asthma, Lungenentzündung und Lungenkrebs zusammengenommen.

Hauptursache für die Entstehung einer COPD ist die Belastung der Atemwege durch Schadstoffe. Die Deutsche Atemwegsliga schätzt, dass in Europa etwa 80 Prozent der COPD-Erkrankungen auf das Rauchen zurückzuführen sind. Wer berufsbedingt Gase, Stäube oder Dämpfe einatmen muss, gehört laut Lungeninformationsdienst ebenfalls zu den Risikogruppen. Dazu zählen Landwirte, Bauarbeiter, Bergarbeiter, Beschäftigte in der Getreideverladung, Schweißer, Menschen, die mit Mineralfasern arbeiten oder chemischen Dämpfen ausgesetzt sind.

COPD ist keine reine Lungenkrankheit

Die COPD ist zwar bisher nicht heilbar, aber „wir können zumindest den fortschreitenden Verlust der Lungenfunktion durch sofortigen Rauch-Stopp und geeignete Medikamente abbremsen“, erklärt Dr. Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen (BdP). Wenn man hingegen nichts unternimmt, führen die chronischen Entzündungsprozesse in der Lunge zu einem allgemeinen körperlichen Verfall mit erhöhter Infektionsgefahr, Muskelschwäche und Osteoporose, Herz- und Gefäßkrankheiten. „Die Atemwege sind nur der Ausgangspunkt einer Entzündung, die den ganzen Körper befällt, man spricht auch von einer systemischen Krankheit“, erklärt der Ulmer Pneumologe.

Es gibt keine Frühsymptome

Da die COPD im frühen Stadium keine Beschwerden verursacht, obwohl die Entzündungsprozesse bereits im Gang sind, raten die Lungenärzte des BdP allen Risikogruppen, regelmäßig ihre Lunge untersuchen zu lassen. Und das nicht erst, wenn bereits verdächtige Symptome wie hartnäckiger Husten oder Geräusche beim Ausatmen auftreten, sondern prophylaktisch und am besten jährlich.

Ein Lungenfunktionstest (Spirometrie), der beim Hausarzt gemacht werden kann, misst das Luftvolumen beim Ein- und Ausatmen und die Geschwindigkeit der ausgeatmeten Luft. Damit lässt sich ermitteln, ob eine chronisch-obstruktive Bronchitis vorliegt. Wichtig zur Diagnose eines Lungenemphysems ist die Messung der sogenannten Diffusionskapazität, der Fähigkeit der Lunge zur Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft. Diese Untersuchung wird in der Regel beim Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologe) durchgeführt.